Djeyran Kultur-Journal / Die Netlabel-Szene  
zurück zu Djeyran: Startseite   Literatur   Musik   Shamanidisc   Art & Galerie


Die    Netlabel-Szene    im    Internet
last update august 2010 - Neues bei: iD.EOLOGY, tonAtom,

Eine der vielen Anwendungen und Nutzungen auf dem Unterhaltungssektor im Internet sind seit einigen Jahren die Veröffentlichungen von Musik zum freien, kostenlosen Download. In diesem Fall ist nicht die Musik der großen Stars und Bands gemeint, sondern sogenannte nichtkommerzielle Musik meist unbekannter, aber deshalb nicht unbegabter, Musiker. Es ist mit der Open-Source-Software zu vergleichen und ist somit als eine reale-machbare Alternative zum Mainstream zu verstehen. Neben dem Begriff Netlabel wird auch umfassender von Netaudio gesprochen.

Die ständige Erweiterung der Bandbreite und schnellere Übertragungsmöglichkeiten erhöhen zunehmend das Angebot von Musik- und Filmangeboten im Netz. Hinzu kommen die z. B. durch das Komprimierungsformat MP3 geschaffene Möglichkeit auch größere Dateien ins Netz zu stellen, um sie vom User abrufen zu lassen.

Die Definition des Internet-Lexikons Wikipedia bezeichnet Netlabels als selbstorganisierte, nicht kommerzielle Do-It-Yourself-Projekte von Musikern und Musikliebhabern, die eigene oder Musik von anderen unter dem Namen eines eigenen Labels veröffentlichen (nicht produzieren!). Die freie Musik steht unter einer freien Lizenz, ist GEMA-frei und kostenlos. Demzufolge kann sich jeder diese Musik auf seinen Computer (Podcast) herunterladen, sie auch auf CD brennen und z. B. bei einer öffentlichen Veranstaltung abspielen. Zu den Musikstücken wird ein Cover (eigener Ausdruck) und mitunter Video-Dateien zum Stream oder Download angeboten. Es gibt die Möglichkeit einzelne Titel oder ein komplettes Album (z. B. als ZIP-Datei) herunterzuladen.

Die Kompositionen stehen oft unter einer sogenannten Creative-Commons-Lizenz (Definition s. unten), was das Copyright des Musikschöpfers, die freie Verfügung aber auch gewisse Einschränkungen der Nutzung regelt. Allerdings gibt es auch Labels, die geringe Beträge für CD's fordern und die man sich zuschicken oder auf elektronischem Weg abrufen lassen kann. Meist sind die Dateien im MP3-Format (bisher weniger verbreitet ist das freie Ogg Vorbis Format), wobei die Bitrate von 128 bis 320kbit/s variiert. Es gibt Labels, die mit einem professionellen Mastering den finalen Sound die notwendige Audiophilität (zitiert nach Matthias Reinwarth http://www.moderne-klangkunst.de/netzklang.htm )verpassen. Im Großen und Ganzen jedoch ist die Qualität vertretbar bis optimal. Als Faustregel gilt, dass man pro Minute Klanggenuss etwa 1 bis 1,5 Megabyte Daten herunter lädt (Reinwarth).

Da die Netlabels fast ausschließlich auf freiwilliger Basis, quasi ehrenamtlich, betrieben werden, gibt es natürlich keine Garantie für ihre dauerhafte Präsenz im Netz. Unter Umständen sind dann die Musikstücke nur schwer wieder zu beschaffen. Daher unterstützt seit 2004 das Internet Archive die Netlabelszene, es gibt sogar Labels, die von dort ihre Stücke zum Download anbieten.

Überwiegend findet man bei den Netlabels ein breites Spektrum der elektronischen-, Techno- und Hip-Hop - Musik, sowie deren Unterarten, Variationen, Fusionen. Die verschiedenen Spielarten der Rock-Musik sind dagegen eher selten vertreten, auch Jazz, Weltmusik oder Klassik werden kaum angeboten. Wer sich also für die Entwicklungen der elektronisch-experimentellen Musik interessiert, kommt hier voll auf seinen Genuß. Allerdings findet man zunehmend Mischformen. Unterschiedlich ist die Qualität der Musikstücke, wie nicht anders zu erwarten. Spötter mögen die Musik, weil hauptsächlich mit dem Computer gemacht, als Click & Cut-Musik bezeichnen. Dies ist an und für sich noch kein Argument gegen die Musik, sondern richtet sich eher gegen die Art der Musikherstellung. Gelegentlich allerdings findet man doch recht lust- und lieblos zusammengebastelte Stücke, die den Geräuschen eines Flipper-Automaten verdammt ähnlich kommen. Hier steht Einfallslosigkeit statt Kreativität Pate. Der Hauptanteil der Musik dürfte nach meiner Einschätzung rein instrumental sein, Stücke mit Gesang scheinen die Ausnahme zu sein. Überwiegend handelt es sich um Solo- oder nur wenige Personen umfassende Band-Projekte. Das Heimstudio dürfte hier der hauptsächliche Aufnahmeort sein, von gelegentlichen Live-Acts einiger Künstler mal abgesehen.

Immer wieder findet der geduldige Sucher erstaunlich originelle und hervorragende Beispiele dieser nichtkommerziellen Nischenmusik (Reinwarth). Besonders im Bereich experimenteller Sounds kann man hier auf wahre Perlen stoßen. Die Bandbreite in diesem Bereich ist relativ umfangreich. Die Möglichkeiten der weltweiten Datenübertragung im Netz tragen dazu bei, dass die Schöpfer der Musik eine internationale Gemeinschaft bilden. Hier findet gelebter Kulturaustausch statt. Demzufolge hat sich Englisch als gemeinsame Sprache in dieser Szene als sinnvoll herausgestellt. Die Künstler sind übrigens nicht an ein Label gebunden, sondern stellen ihre Tracks bei verschiedenen Anbietern ins Netz oder sind selbst Betreiber einer Webseite. Eigene Radiosendungen in Internet bieten spezielle Infos über die Netaudio-Szene und stellen gezielt neue Produktionen vor. Auch mit Live-Events, vorwiegend in der Club-Szene oder bei Digital-Art Veranstaltungen, versuchen die Künstler ein größeres Publikum anzusprechen und sich einer Live-Situation bewusst auszusetzen.

Wer nun wissen will welches Netlabel was anbietet, muß zum einen viel Zeit und zum anderen Geduld und Ausdauer mitbringen. Natürlich, das Selberhören nimmt einen niemand ab und um gute Releases zu finden, muß man sich erst durch viele weniger gute durchhangeln. Wenigstens bieten einige Portale eine Übersicht der Netlabels an. Auf phlow.de findet man über 500 Labels aus aller Welt, sehr günstig nach Kategorien sortiert. Eine Kurzbeschreibung über Musik und Artisten, sowie ein Link zur jeweiligen Homepage komplettieren die Angaben.

Ein anderes umfangreiches Portal ist rowolo.de. Auch hier wird eine Netlabelliste angeboten, die mehrere Kategorien enthält und mit gewisser Regelmäßigkeit aktualisiert wird.

Auch empfehlenswert ist seedsound.com . Ein 2004 gegründetes music label, das auch ein Auge auf andere Konkurrenten, Rivalen, Kollegen wirft und auf besondere Alben und Netlabel hinweist.

Bereits erwähnt wurde das Internet-Archiv. Hier sind unter archive.org fast alle Netlabel-Dateien archiviert. Neben dem Bereich audio gibt es auch Zugang zu den Rubriken texts, moving images, software und archiv web pages. Eine kurze und prägnante Einführung in die Geschichte des archivs ist auch bei gnua.org/zufall zu finden, da erfährt man z. B., dass geschätzte 3 Mio. Gigabyte gespeicherte copyrightfreie Daten im archive zu finden sind.

Auf Netaudio-Veranstaltungen - so der Netaudio06 vom September 2006 in London, 2007 in Berlin - werden wie auf einer Messe die aktuellsten Neuheiten und Trends im Bereich der Netlabel-Szene vorgestellt.

Einige Labels bieten selber ausgesuchte Links zu weiteren Webseiten an, die analog dem eigenen Angebot eine bestimmte Musikrichtung bevorzugen. Für meine Begriffe ist die Netlabel-Szene sehr zersplittert und unübersichtlich. Es fehlt ein größeres Portal, das zumindest ansatzweise einen Überblick über neue Labels und Releases bietet. Wer die Mühe nicht scheut, muß zurzeit jedoch über unzählige Seiten wandern - na ja, der Weg ist das Ziel.

Haben Netlabels Zukunft? Die Betreiber dieser Szene sehen das ganze vom idealistischen Standpunkt aus. Da sie ihre Musik kostenfrei anbieten, ihnen aber selbst Kosten entstehen, wird das auf Dauer zu Einschränkungen des Angebots führen. Als Freizeitbeschäftigung ist das Vertreiben und Produzieren von Musik jedem, der die Möglichkeit dazu hat, gegeben. Eine irgendwie ernsthafte Konkurrenz zu den Majors sollte von niemandem in Erwägung gezogen werden. Dazu ist die Musik, die gegenwärtig von den Netlabels vertrieben wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch viel zu spezifisch. Der Begriff Nischenmusik trifft die Szene des nichtkommerziellen Musikangebots treffend. Ein breiteres musikalisches Spektrum könnte für eine Vergrößerung dieser Nische sorgen.

Weitere Links rund um die Netlabel-Szene:
Furthernoise
Neoradio
Netaudioberlin
Starfrosch

Creative-Commons-Lizenz
Hierzu findet an bei Wikipedia folgende Erklärung: Idee, Prinzip und Konzept von Creative Commons wurden 2001 in den USA entwickelt, maßgeblich von Lawrence Lessig, Rechtsprofessor an der Stanford Law School. Den traditionellen eher restriktiven Urheberrechten wird ein Modell gegenüber gestellt, das sich an den Grundwerten von Offenheit und Teilhabe orientiert. Kreativen, Kultur- und Medienschaffenden sowie Wissenschaftlern wird damit ein Werkzeug zur Verfügung gestellt, um selbst bestimmen zu können, was sie mit ihren Werken machen und wie sie diese verwerten wollen. Mit modulartigen Lizenzen unter dem Motto "some rights reserved" - zwischen strengem Copyright "all rights reserved" und public domain "no rights reserved" - können Urheber bestimmen, unter welchen rechtlichen Bedingungen sie ihre Werke veröffentlichen und weiter verwendbar machen wollen.
Ausführliche Infos auf der deutschen Webseite von Creative-Commons-Lizenz.
Empfehlungen:
Die folgenden Netlabel & Releases-Beispiele (in alphabetischer Folge) sind lediglich als eine dem Geschmack des Autors unterworfene Auswahl zu verstehen. Die Stücke sind alle im MP3-Format als kostenloser Download abrufbar.
Ergänzungen werden in unregelmäßigen Abständen vorgenommen.
Die Hörbeispiele (mp3) sind jeweils auch auf den entsprechenden Webseiten abzurufen.

AcediaMusic   Aerotone   alg-netlabel   amduscias records   Arhiva7  
Birdsong   Buddhabomb   Bump Foot   Bypass  
Camomille   Constanta-Label.Ru  
Darkwinter   Dharmasound   Drone.digitalbiotope  
eDogm + Insubordinations  
ID.EOLOGY  
Kahvi  
Lostfrog  
Monotonik  
muertepop  
Observatoryonline  
OUIM  
Planetarium records  
Quiet Lounge
seedsound   serein   Stadtgruen  
test tube   Thinner   tonAtom  
Vaatican Records   vorbic   
Zymogen        
AcediaMusic

Im Statement der Webseite erklären die Macher: We believe in diversity and the strength of art and we work towards crossing borders and connecting people. Und sie versprechen: You can expect to get new music here regulary since we all are addicted to make loops and noise.
41 Veröffentlichungen (Stand 6/2007) haben die Betreiber bisher in ihrem Programm. Es handelt sich um zumeist rhythmische, samplelastige, tanzbare anspruchsvolle Musik unterschiedlicher Machart. Die Musiker von Acedia sind durchweg auf dem kreativen Pfad und schaffen originelle, zeitgenössische U-Musik.

Beispiel:
2GI
am041- Babarzum

Als 41tes Album des Acedia-Universums liegt hier eins jener seltenen Beispiele von einfallsreicher Musik mit Gesang vor. Die aus Italien stammende Formation 2GI greift mit ihren vier Stücken umfassenden dritten EP in die Vollen elektronischer Dub-Rock-Musik. Da sie auch vor Experimenten nicht zurückschrecken und einen abgerundeten Sound liefern, gehören sie zu den Favoriten der neueren Netlabel-Produktionen.
Eigenbeschreibung der Band: Acid trips in mayonese noise, sampled carillons and skipping cds to remix pop, post rock and even thrash metal artists…
Fazit: Absolut hörbare Musik der etwas härteren Gangart, mit witzigen Einsprengseln.

Weitere Alben: am 033 - mio figlio egoista & am024 Coded Rock



Aerotone
Welcome to aerotone. We are a netlabel and we love melancholic music.
Mit diesem Satz empfängt das deutsche Label Aerotone die Besucher seiner Homepage. Und hier wird nicht nur der Melancholiker fündig, sondern auch wer Jazz und akustische, experimentelle und dennoch harmonische Musik mag. Hier ist weniger Techno oder sonstiger Raver-Schnickschnack angesagt, vielmehr versammeln sich hier Künstler, die an zeitgenössischer Musik aber auch an melodiösen Liedern gefälliger Art Interesse haben. Mainstream jedoch wird nicht geboten!

Gute Beispiele sind die Electronica Unplugged Alben 1 & 2 oder die 20minütige Jazz-EP Adjusted for Low Noise Tape des Bluebridge Quartetts oder auch Cantaloupe mit Tonight it shows, einer träumerischen Song-Reise voller ausgefallener Melodien und leiser Töne.

aaahh002/aer014 Entertainment for the braindead - hydrophobia
Unter dem erstmal irreführenden Pseudonym Unterhaltung für Gehirntote erschien 2008 der vielfach bejubelte Release einer jungen Kölner Songschreiberin. Julia Kotowski komponiert, spielt und arrangiert alles mit einfachsten Mitteln im Mehrspurverfahren selber. Während sie instrumental (z. B. Akustik-Gitarre, Ukulele, Flöte, Glockenspiel und diverse Haushaltsgegenstände für die Percussion) mitunter etwas ins Hängen kommt, lässt ihr an irisch-britischer Folklore geschulter Gesang den Hörer aufhorchen. Auch wenn die Melodien gewisse Ähnlichkeiten nicht verleugnen, gelingt es ihr auf verblüffende Weise, jeden der neun Songs in eine eigene Athmosphäre zu tauchen. Sehr zart, sehr naiv, mit einer Stimme zum - Verlieben und von zerbrechlicher Jungfräulichkeit getragen. Ein leises Album. Ein einfach nur schönes Album. Eine absolute Rarität in der sonst eher von dröhnendem Elektrogedonner erfüllten Netlabel-Szene.
Inzwischen ist die junge Lady so etwas wie ein heimlicher Star der Netlabel-Gemeinde geworden, zumindest hat sie einige Aufmerksamkeit erregt, immerhin fanden Spiegel-Online und Süddeutsche.de die Künstlerin interessant genug, um über sie zu berichten. Sie tourt durch Clubs und wird hier und da eingeladen. Einige Live-Videos zeigen sie in fast statischer Ruhe. Konzentriert, anmutig und scheu trägt sie ihre einfachen Songs mit Hilfe der Looptechnik vor. Bei YouTube gibts neben eigenen Stücken auch eine unplugged und mutige Version des Cure-KLassikers Lullaby zu sehen.
 Julia live    Julia in Pose
Julias Webseite: Entertainmentforthebraindead




alg-netlabel
Aus Galizien/Spanien bereichert dieses Label seit 2004 die Szene und hat bisher (Anfang 2010) über 50 Releases in sein Programm aufgenommen. Schwerpunktmäßig hat man zunächst einheimischen Musikern eine Plattform für Veröffentlichungen geboten, zunehmend strecken die Betreiber aber ihre Fühler auch in die internationalen Gefilde aus. Eine bestimmte Richtung ist nicht vorgegeben, doch merkt man schnell, dass hier dem Experimentellen Vorrang gegeben wird. Das heißt also, wie immer, wenn man sich Künstlern zuwendet, die auf der Suche sind und die diesen Prozeß in ihre Werke mit einbeziehen, muß der Hörer, wenn er ernsthaft daran interessiert ist, Geduld und Mut mitbringen. Wer dazu bereit ist und - das gehört dazu - Hörerfahrung besitzt, wird bei den Produktionen vom alg-a netlabel in die Randbereiche akustischer Wahrnehmungen geführt. In diesen Sphären ist schlichtweg alles möglich, Kategorien haben hier keinerlei Bedeutung mehr, alle Schubladen sind geöffnet und liegen zerstreut in unbekannter Landschaft herum, ihr Inhalt schwebt in neugewonnener Freiheit durch Raum und Zeit… Leider wird einem der Zugang zu diesen experimentellen Klangkonstruktionen durch die ausschließlich in Spanisch mitgeteilten Informationen erschwert. Auch die oftmals sehr ausführlichen Booklets bleiben einem Nichtspanier somit verschlossen.

Mit dem audio-project Maina alg001 starteten die Spanier im September 2004 die Serie ihrer spannenden musikalischen Ausnahmewerke. Ola Calma betitelt, enthält fünf Stücke, die mit einem Mix aus akustischen und elektronischen Klängen aufwarten, dazu die Stimme von Maureen Kinnear, mal original, mal verfremdet. Gesampelt und gemixt haben das ganze Isaac Cordal und Ig. "From one room to the next, the samplers, the ideas, the experiences flowed" heißt es u. a. im Begleittext. Es fließt gemächlich und das Hörabenteuer enthält nichts Böses und kaum Aggressionen. Manchmal erzählt dir jemand kurz etwas (Hi, I'm yesterday and today I'm looking for tomorrow) und wenn du es zulässt, wird dich der laszive Rhythmus schon weiter treiben…

Thanos Chrysakis führt uns mit Is there is there not alg024 in eine Klangwelt aus mitunter bedrohlich anschwellendem Sound, in den gelegentlich traditionelles Instrumentarium eingefügt ist (Klavier, Becken, Glocken). Ähnlichkeiten mit zeitgenössischer Musik tun sich auf, alles bleibt jedoch im verhaltenen Moderato, es gibt keine krassen Brüche. Eine ganz nach Innen gerichtete Musik. Träume werden sich dabei kaum einstellen, eher Fragmente davon. Ein Zuhörexperiment, wo Zeit und Raum keine Rolle mehr spielen.


Madamme Cell wird mit seiner Opera Forte Fonetica alg047 einem wahren Opernfan wohl eher Kopfschmerzen bereiten, als das er das Werkchen als Zugewinn zu diesem Genre betrachtet. Vier Stücke, etwas über eine Viertelstunde lang, zeigen aber eine artifizielle Herangehensweise, bei der Musikalisches und allerlei Noise-Sound miteinander verwoben sind. Im zweiten Stück gehts auch schon mal rhythmisch zur Sache, aber eine durchgehende Schräglage bleibt prägnant. Der letzte Track 'Morte' klingt verhalten dramatisch.



amduscias records


"We are a net label specializing in experimantal/ industrial/ dark ambient/ noise/ psycho-active dance music." - so steht es auf der Homepage, kurz und knapp. Auf archiv.org kann man etliche Alben downloaden. Eine feine Zusammenstellung vom Oktober 2008 ist
AMR175 Evocation - A Collection of Dark Electronic Music. 35 Tracks, zum Halloween extra am 31. Oktober veröffentlicht, lassen für Fans d. o. angegebenen Stile keine Wünsche offen. Saubere Qualität und originelle Einfälle zeigen einmal mehr, wie breit gefächert man in diesen Genres Musik kreieren kann, ohne auf eingefahrenen Gleisen herumkutschieren zu müssen. Nur manchmal wird man des wabernden Düstersound etwas müde, aber insgesamt ist die Auswahl der verschiedenen (insgesamt 33) Künstler gelungen. Ein Download, der es in sich hat und der sich lohnt!






Arhiva7

Bei arhiva7 handelt es sich um ein progressives Label aus Rumänien. Die haben nicht nur ausgefallene Musik, sondern auch eine künstlerische, kreative Webseite. Musik ist denn auch nicht das einzige, was angeboten wird, Text und Galerie verweisen auf ein Gesamtkunstwerk. Das Netlabel enthält rund Veröffentlichungen (Januar 2010). Hier werden nicht Grenzen erreicht, sondern ständig überschritten und Hörgewohnheiten auf die Probe gestellt. Da kann man nur mit, oder rechtzeitig aussteigen, sonst driftet man in einen haltlosen HörZustand… Der Download läuft mitunter etwas schleppend. Wer dennoch genug Geduld aufbringt, bekommt Unerhörtes zu hören:
Ausgefallene Sphärenklänge und schrägste Soundrevolten (mort la creier - Am sie eu sentimente ), verspielte Mixklänge akustischer/elektronischer Herkunft (makunouchi bento - Balada unui creier mic), hyperkreativer, zersplitterter Hip-Hop-Is-Dead Sample&Cut Mix (Bog - Satan, te urasc!), von groovendem Rhythmus und Endlos-Loops geprägte Dance-Trance-Electronics mit witzigen, sekundenschnellen Soundjokes (pablo akaros - the smile of Alison) - oder die Horrorstory der Monster, die nicht sterben wollen (Selfmademusic - Somemonstersneverdie OST), eine Noise + Krawallorgie zirpender, verzerrter Synthieklänge (klingt wie Karlheinz Stockhausen auf Ecstasy), dazu wummernde Bass-Beats und abgefuckte Rhythmen. Die 13 Titel hintereinanderweg gelesen ergeben eine kleine Kurzgeschichte, die die Notizen eines neuen Werkes von Stephen King sein könnten.
Auch DJET und Silent Strikes undundund…wahnsinnig gute und wirklich einfallsreiche Musik, die da meistens von rumänischen Künstlern kommt. Reinhören lohnt sich!

arh025 qbik - death glowing symphony
Auch der 25zigste Release vom April 2008 hält was Arhiva7 mit den bisherigen Veröffentlichungen geboten hat: Musik der ausgefalleren Art, hier mit schwermütigem Charakter, dennoch verspielt, wenn man die Gattungsbezeichnung wörtlich nimmt - eine fünfsätzige Symphonie. Der letzte Satz, also der fünfte Track, "wultimax death", ist ein feinstrukturiertes beinahe klassisches Stück. Die lang anhaltenden, an Oboenklänge erinnernden Melodien, werden von fernen Monsterseufzern, deren Höllenqualen man mitanhören kann, dekoriert. Eine Imagination, die zu Bildern eines Hieronymus Bosch führt.


arh021 minim.all - les mots inconnu
Sorin Paun aus Rumänien schuf die Musik zu den Gedichten der in Paris lebenden Iranerin Roshanak Ostad, die dazu eigene Zeichnungen entwarf. Alle diese Entwürfe sind dem Download beigegeben. Roshanak hat ihre Poesie auf Persisch verfasst, wie endlose Reihen wiederholen sich die kleingeschriebenen Worte, ebenso beschränkt sich die Musik auf minimale Variationen. Der Rhythmus ist es, der das Ding am Laufen hält. Die Iranerin macht erkennbare Andeutungen an die in ihrem Heimatland herrschende Zensur - les mots inconnu, unknown words, das sind die Worte für die man sehr schnell in die Hände der Unterdrücker geraten kann. Der Rumäne entwickelt seine Musik auf der Grundlage von sparsamen Sampler-Sequenzen und Loop-Schleifen, zu denen er das Ätherrauschen seiner Fantasie hinzu gemischt hat. Bedrohliche Spheren weisen auf eine noch ferne Hölle hin - wie schnell können sie zu Deiner werden!


arh030_mortlacreier_-_trei_ca_niciodata
Release vom August 2009. In den sechs Tracks werden verschiedene Stimmungen hochgefahren, meist haben sie düsteren Charakter. Das eingestreute Gefiepe suggeriert Roboterchats oder sonstige Fehlmeldungen. Beim Hören bricht nicht der große Hype aus - aber man fühlt sich auch nicht gestört und wenn man so vor dem PC hockt und sich diese Texte ausdenkt, dann laufen die Tracks auch schon mal 'ne Weile als Schleife. Wenn man Kopfhörer aufhat, gibts Extrawirkungen!




Birdsong

2004 in Israel gegründet. Bietet Veröffentlichungen unterschiedlicher Stilrichtungen zum Download an: Punk-Noise, Psychedelic-ElectronicExperiment, Simple-Song-Writing, Computer- und akustische Musik und einen vielseitigen Mischmasch diverser Rhythmen lassen die Artisten auf Birdsong erklingen.

Eine interessante und eigenwillig dargebotene Idee bringt z. B. der Japaner Isuzu Kochiwa, Gründer der japanischen post noise group "Amok", mit dem Album Dissassembling the molecules (birdsong016). 18 Maler (darunter Hohlbein, Dürer, Margritte, Velasquez, Warhol) stellt er uns musikalisch vor und seine Interpretationen der einzelnen Künstler in Töne umgesetzt sind außerordentlich originell gelungen. Für jeden Typ gelingt es Kochiwa ein Kaleidoskop an Klängen und Melodien zu erfinden. Es sind Kurzporträts der besonderen Art, treffend, intellektuell und witzig zugleich, manchmal von avantgardistisch-experimenteller, manchmal rockig-zappaesker Art.

Mit dem Werk des berühmten französischen Dichters und Chansonniers George Brassens setzt sich eine Gruppe mit dem schönen Namen The Unnecessary Revolution auseinander. Ihr Album heißt 2nd of 3 (birdsong014) und enthält fünf Stücke, deren Texte in Hebräisch übersetzt sind. Die Musik ist im Wesentlichen akustisch und wird gelegentlich von elektronischen Schnörkeln umrahmt. Alles klingt schief und krumm und passt dennoch. Klezmer und Orientalisches klingt gelegentlich durch.



Buddha Bomb

Er sampelt und mixt was das Zeug hält, egal woher die Schnipsel kommen. Seine Stücke sind wie Abenteuerreisen, meist über eine Stunde (!) lang. Sie sind wie Ecstasy ohne Pillen. Brainkoks pur. Buddha Bomb ist der Mix-King der Techno & Netlabel-Szene, sein Einfallsreichtum und die Qualität seiner Kunstwerke sind bisher unübertroffen. Jeder, der beabsichtigt, in dieser Richtung selber tätig zu werden, sollte auf keinen Fall versäumen, bei ihm durch das pure Anhören seiner Stücke, kostenfreien Unterricht zu nehmen.

Buddha Bomb was born in our Solar System on the planet Neptune. Meanwhile, at the same time on Earth, it was the 22nd day of February. Friday afternoon. Quarter past 5. Just in time for Happy Hour.

So stellt sich der (über 50jährige) Meister-Raver des Chill-Out selber vor. Er veranstaltet regelmäßige Performances und Sessions, sogenannte Psytrance Festivals, überwiegend in Colorado, aber auch an anderen Orten der USA. Für NichtUSAler gibt's Buddha Bomb im Internet Radio auf www.KGNU.org und der kostenlose Download seiner Mammut-Schöpfungen als MP3-Files. Hier empfehle ich nicht einzelne Stücke, sonder schlichtweg alle!




Bump Foot
Ein Netlabel aus Japan, gegründet 2005 von Tatsu, einem Elektronik-Musiker. Bump steht für Techno und House, Foot für Ambient, IDM, Electro Pops, etc. Dieses etc herauszufinden macht Spaß und man stößt dabei auf spannende und kluge Musik. Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber vieles glänzt wie Gold. Knapp 90 Releases innerhalb von drei Jahren, das ist schon beachtlich, wobei Tatsu selber zehnmal im Bump-Bereich vertreten ist.

Foot88 - le chatmou - Un Dimanche Soir
Im Dezember 2008 veröffentlicht. Ep mit sieben Tracks, Gitarrensound, Stimmen, gemäßigte Beats und electronics, nichts Weltbewegendes - aber nach mehrmaligem Hören geht der Loop in deinem Schädel weiter, der schleppende Rhythmus ergreift von dir Besitz, man hört und hört... Aus einer Wochenend-Melancholie heraus sind die Stücke entstanden, eine Melancholie, die mir gefällt. le chatmou machen jene Art von intelligentem Sound, bei dem hinter der Musik dieses Kopfkino anfängt, das dich ein Stück mitnimmt ... irgendwohin ... 17 Minuten lang ...




Bypass
40 Releases hat das in China beheimatete Label bisher (Juli 2009) veröffentlicht. Sein Gründer Zhang J[ian]W[en], er lebt in Beijing, ist mit zwei Alben vertreten. Die cool gestaltete Webseite trifft adäquat den Stil der Musik: IDM, Ambient, Electronica and Experimental music. Aber: We are not limited by any style, any people. So bekommt man auch Non-music und Fieldrecodings geboten. Alle Stücke sind im MP3 Format, meist 320kbps. Unter den Künstlern finden sich Russen und andere Osteuropäer, Japaner, Deutsche, Amerikaner, Portugiesen. Auch so ein Urgestein der Netlabel-Szene wie Siegmar Fricke ist mit immerhin drei Alben vertreten.
Im Mai 2009 ist dem Label ein gelungener Sampler geglückt:

BP033 The Nines - Various Artists
Neun Tracks von ebenso vielen unterschiedlichen Künstlern entwickeln ihre Ideen zur aktuellen Elektromusik. Einfallsreich im Sound, Verspielt im Rhythmus, durchaus originell in der Struktur der Stücke und von Zhang JW gemastert, ist dieser Release auf hohem Niveau, einmal mehr ein Beweis, für die kreativen Höchstleistungen der Audio-Scene.


BP034 Laiila - 000013, Version Of

Aus Deutschland kommt diese Produktion vom Juni 2009. Eine Mixtur aus klitzekleinen Melodien und elektronischen ‚Störungen', eine Art Konzeptalbum von knapp 25 Minütchen auf vierzehn Tracks verteilt. Interessantes Geschnippsel, dem etwas mehr Biss und gekonntere Schnitte nicht geschadet hätten. Insgesamt aber gut zusammen'arrangiert'.




BP013 ZhangJW - Pleh

Ein sieben-Track-Album des Labelgründers vom Dez. 2008. Elektronischer Minimalsound, Stimmen, chinesische Gongs, Verfremdungseffekte, bestimmen die eher ruhige, von innen kommende und nach innen wirkende Downtempo-Musik. Release mit Wiederhör-Effekt. Auch das Cover ist schön, na ja, irgendwie - chinesisch?








Camomille

Aus der Gruppe Camomille entstand im Februar 2002 das gleichnamige kanadische Label. Das Ziel: We strive to represent music that is individualist in nature, original and that inspires. Seither sind 101 Alben veröffentlicht worden.
Das musikalische Spektrum umfasst akustische und elektronische Improvisationsmusik, sowie Videoinstallationen. Neben avantgardistischer Klangkunst mit minimalen Soundfragmenten, gibt es immer wieder auch Ausflüge in die Elektro-Pop Richtung mit rhythmischen melodiereichen Songs.
Beispiele:
Das Duo Tang Kai - Evangelion Cam094 mit der Sängerin Jenny Tang Kai und Mikael Fyrek.

Grandma - Tiny fashion [cam078]
Mit vier Tracks in schlappen acht Minuten einer der vielen knappen EPs bei cammomille. Connor Kirby Long verbirgt sich hinter der Grandma, singt n'bißchen wie Lou Reed, hat die kurzen Musikproben seines Underground-Pop aber fein in die Gänge gekriegt. Bevor man sich dran gewöhnt hat, isses leider schon zu Ende.

Blisaed - Beauty made in small parts [cam079]
Zwei Tracks, zwölf Minuten. Relaxter Sound, alles klingt gut, schön gemacht.

Number Six - Secret Journey [cam081]
Überraschung! Aus Italien kommt dieses 40min. Konzeptalbum voller nostalgischer Greatfull Dead-Anklänge, Can-Memoiren und ähnlicher Rückblicke. Dadurch, daß elektronischer Sound und experimentelle Instrumentierung hinzukommen, ergibt sich ein absolut hörbares Stück moderner Musik.

Cheju - Despite all resolution [cam91]
Auf Chejus Webseite kann man die Produktionsfreudigkeit Wil Boltons (das ist Cheju) bestaunen. Auf diversen Alben, Kompilationen und Remixes ist seine melodiös-elektronische Musik vertreten. Diese Musik will niemandem Böses tun, nur einfach unterhalten, sie will nichts beweisen oder tiefsinnig hinterfragen, sie will - ganz nach alter IDM-Manier - zum entspannten Abtanzen animieren. Und das tun diese vier Tracks sowohl mit kernigen Beats, als auch mit überlegen eingesetzten Electronics.

Nigel Samways - Mestre Fullstop [cam101]
In nur knapp zwanzig Minuten gelingt es dem Engländer mit diesem Release uns in eine nebulöse Welt zu führen. Loops und Fields, könnte man meinen, sind ausgeleierte Modelle, doch wenn man über genügend Fantasie verfügt, fällt einem eben immer wieder was neues ein. Das setzt natürlich auch einen fantasieerprobten und geduldigen Zuhörer voraus. Solche wünsche ich dieser Produktion, die Anfang 2008 herauskam.





Constanta-Label.Ru

Im Winter 2007 gründete sich dieses russische Netlabel für Musiker, die experimentelle elektronische Musik bevorzugen " such as digital ambient / glitch / noise and other sound art styles." Meist ist gedämpfter Sound und kunstvoll Arrangiertes zu hören.


const009 - Aus dem fernen Perm, hinter dem Ural gelegen, kommt Sergey Misyureff. Unter "To4ka.Dna" veröffentlichte er im Dezember 2008 das Album 'August', sein drittes bei Constanta.
Sieben kunstvolle und einfallsreich gestrickte Stücke, in denen er elektronisches Material mit akustischen Instrumenten fein verwebt und eine verfremdete Soundathmosphäre schafft. Ein gelungenes, in sich ruhendes Werk, geeignet für frostige Winterabende - von denen es in Perm mehr als genug gibt.




Darkwinter

Dark Winter is a net.label dedicated to releasing dark ambient, atmospheric, and unconventional music from around the world.
2002 gründete Nathan Larson, ansässig in Minnesota, dieses der elektronischen Dark-Musik verbundene Label. Larson, selbst Soundtüftler, hat bisher über 40 Veröffentlichungen auf seiner Webseite gehostet. In der Tat ist die Musik vielfach unkonventionell und überschreitet zum Glück den üblichen Ambient-Sound hinreichend, so dass beim Hören die eigene Fantasie genug zu tun bekommt.
Der Labelname verrät es: düstere, anschwellende, Unheil verkündende Soundberge türmen sich auf ( Fractaled - Moments of Order - dw032), die Stücke haben Namen wie: Quark-Gluon Plasma, Two Billion Years. Dann wieder werden einem elektronischem Grundgerüst akustische Instrumente hinzugefügt und verfremdet wieder gegeben ( Joel Hinkle - as the flesh departs - dw036). Hier sind es Eisberge, die wir auftauchen sehen, irgendwo in einer Halle, tief unten in riesigen, vergessenen Höhlen, festgefrorene Aliens versuchen dem Frost zu entkommen - vergeblich.
Frozen-Ambient nennen die Artists den Sound, den sie da kreieren und der Einfallsreichtum ist auch hier wieder bemerkenswert. Der Japaner Ryu - der Depressive - ist weniger an langgezogenen und düstere Stimmungen aufbauenden Klängen interessiert, als an der Hörbarmachung seines Seelenzustandes ( The Castration - dw034). Er verarbeitet Loops und rückwärts eingespielte Sequenzen mit unklaren Feldaufnahmen, auch die menschliche Stimme ist Teil seiner spannenden therapeutischen Versuche. Auch die traditionelle japanische Musik ist unaufdringlicher Teil mancher Stücke (Castration).

Cordell Klier & Datura 1.0 repeal compulsion dw044
Okay. Für diese Kreation ist sicherlich eine intellektuell aufregende Anmerkung nötig, wie im Review zu diesem Release. Auf der anderen Seite hilft das meiner Aufnahmefähigkeit wenig, wenn Nietzsche und Kant herhalten müssen. Sexy as hell, wird mir gesagt, sei diese Schöpfung. Gemach. Weder das eine noch das andere konnte ich beim Hören entdecken oder empfinden. Manchmal fühlte ich mich in eine Zahnarztpraxis hinein versetzt, wo ich im Wartezimmer die Geräusche zufriedener Bohrer in mich aufnehme (Track 4), während gleichzeitig eine gemarterte Heuschrecke in meinem Ohr sitzt und mir einen schnatternden Monolog anbietet. Immerhin dauert diese kafkaeske Hörsturzerfahrung eine gute Dreiviertelstunde, so dass, will man sich auf das transzendente Ding hinter dem Sound einlassen, auch hier Geduld und - Abenteuerlust erforderlich sind. Bei dieser Produktion vom März 2008 sollte man nicht vorschnell aufgeben. Die Tapferen werden am Schluß belohnt, bringt aber nichts, sich den nun zu erst anzuhören. Der Weg ist das Ziel...

Dharmasound
Ein Label mit breitem musikalischem Spektrum, das von konventioneller klassischer (!) bis zu experimenteller Musik reicht, dazwischen Rock, Funky, Electronica und diverse Mischformen. Meist werden EP's mit ansprechender Covergestaltung angeboten. Seit September 2005 haben sich mittlerweile über 30 Alben angesammelt, die durchweg hohe Qualität und Einfallsreichtum aufweisen. Die Macher sind Italiener, ebenso der größte Teil der Künstler. "Dharma is the heart of things, their true essence", lautet die esoterische Botschaft, die Musik hingegen ist zumeist recht irdischer Natur. Man mag sich nicht festlegen und so gibt es ein reichhaltiges Angebot unterschiedlichster Richtungen. IDM, Electronic, Glitch, Rock, Jazz, Pop und diverse andere Stile tummeln sich munter nebeneinander. Absolutes Novum dürfte in der Rubrik Orchestral, das Werk des Komponisten Francesco Lettera sein, der eine ernsthafte Instrumentalversion von The Wizard of Oz schuf.

DHS0037  Ein knapp 25minütiges, melodiereiches Werk, das in die romantische Schule hineinpasst. Da es keinen Hinweis auf ein traditionelles Orchester gibt, scheint der Komponist alles selbst aufgenommen zu haben, was ihn als einen absoluten Könner seines Fachs ausweist. Man glaubt nämlich tatsächlich der Aufführung eines klassischen Orchesters beizuwohnen. Auch so was ist möglich in der vielseitigen Netlabel-Szene! Ein früheres Album von Lettera steht ebenfalls bei Dharmasound zum Download zur Verfügung: DHS0020 Vertigini.  

DHS0018 Acidhead - Time is gone
Trip-Hop-Ep mit 5 Tracks. Obwohl einfach gehalten, gelingt es dem Italiener Luca Sammartin der etwas schläfrigen Stimmung die nötige Atmosphäre zu verpassen, die einen beim Hören wach hält. Gessicas Gesang passt hervorragend in den Sound. Tolles, artifizielles Cover.


DHS0026 Container - fridge][couch
Alle Regler auf - hier wird reichlich herumgespielt mit diversen Sample-Möglichkeiten. Container sind noch in der Findungsphase, aber es macht Laune ihnen dabei zu zuhören. Der Spaß kommt nicht zu kurz und bei jedem Track erkennt man, dass es durchdachte Stücke sind, die einer Methode folgen. Man hört es nicht heraus, dass hier jeder der Macher von Contain separat seinen Part zufügte.



Drone.digitalbiotope

Die beiden Architekturstudenten Aurore Dudevant & Philippe Zulaica aus Frankreich gründeten 2006 unter dem Namen drone ihr Label.
Sie haben sich auf experimentelle akustische und elektronische Musik spezialisiert. Bisher sind 43 Alben erschienen. Hier findet man eins der seltenen Beispiele in der Netlabel-Szene von improvisierter akustischer Musik, die Verwandtschaft mit zeitgenössischer Avantgarde-Musik hat und die z. Teil bei Live-Auftritten eingespielt wurde. Musikalische Grenzüberschreitungen sind hier die Regel. Was Normalhörer als Störelemente empfinden, erkunden die Musiker bei Drone mit Hingabe und Ausdauer und schaffen damit ungewöhnliche Klangstrukturen, die erst nach mehrmaligem Hören ihre Wirkung erzielen.
Zu jedem Release gibt es ein ästhetisch anspruchsvolles Cover und Begleitinfos über die Musiker und die Umstände der Aufnahme. Ebenso sind Links zu den Musiker-Pages selbstverständlich.
Beispiel:
Cayur - Matin db016
Eins der bescheideneren Alben, wobei der Künstler lediglich Gitarre und zaghafte Delays mit rückwärts eingespielten Soundschleifen vereint. Die vier kurzen Stücke klingen etwas unentschlossen und eher zufällig entstanden.
krzysztof gavlas + d'incise - deux hommes assis dans le vide  db017
Der polnische Künstler hat hier mit dem vielbeschäftigten und insubordinations-Gründer d'incise aus der Schweiz eine Gemeinschaftsarbeit vorgelegt, die sich im Rahmen wenig faßbarer Klangmodulationen bewegt. In den sieben Tracks (Studio + Live) fällt das Fragmentarische auf, das Unkonkrete, das An- und Abschwellende. Schabe- und Knirschgeräusche zu elektronischen Blasen, die aufsteigen aber nie platzen.
Takeshi Nakamura - Inferior Articles db018
Der Japaner macht, so seine eigenen Angaben, Electronia, Glitch und IDM. Seine Releases stehen für nervöse Rhythmen, spröde, schleppende Melodien, für dark-music und hypnotische Sounds. Die Ep mit vier Stücken läßt an seinen Vorgaben keine Zweifel. Nakamura, der auch bei einigen anderen Labels seine Spuren hinterlassen hat, zeigt mit Einfallsreichtum, innovativen Klangspielereien und kompetenten Frickle-Experimenten, dass die Szene immer noch etwas Neues vertragen kann. Track 4, Samsara.mp3, ist dafür ein gutes Beispiel.

db039 - jebel chamber orchestra - like a monkey without the cuckoo clook

In diesem Kammerorchester tummeln sich fünf improvisationslustige Musiker, die mit allerhand Instrumenten und klangerzeugenden Geräten hantieren. Sie widmen sich intensiv der freien Spielweise und holen aus ihre Tröten mit Inbrunst allerhand absonderliche Töne heraus.Zwischendurch gehts recht krachig zu, Chaos heißt dann die Devise. Eine Weile funktioniert das Nebeneinander naiver Lauterzeugung recht gut, man sollte sich allerdings Hörpausen gönnen. Auf Dauer fehlt etwas Biß. Musikalischer Zunder zwischendurch hätte auch nicht geschadet.




eDogm + Insubordinations

Beide Netlabels - aus Frankreich und der Schweiz - haben sich zusammengeschlossen, um Free-Jazz, Freie Improviationsmusik und Noise eine Plattform zu geben (Schade nur, dass eDogm sich oft in französisch anbietet). Bisher sind 17 Releases bei eDogm und 18 bei Insubordinations zu verzeichnen. Es wird sowohl akustische, als auch elektronische Musik angeboten. Stilistisch bewegt man sich in den genannten Genres, doch mitunter fließen Elemente der avantgardistischen Moderne und der flexibel gewordenen zeitgenössischen Musik ein. Das Wichtigste Kriterium aller bisherigen Alben ist jedoch die Improvisation, die nach dem Altmeister des Free-Jazz Paul Bley "Nahrung für das Hirn des Hörers" ist. In diesem Sinne: Guten Appetit.

Beispiel:
MATHIAS DELPLANQUE - SOL insub13
Fangen wir gleich mit der Ausnahme an: Delplanque - Geboren in Burkina Faso (nicht schwarzhäutig), lebt in Frankreich, Jahrgang 1973 - legt hier ein Geräuschexperiment (Instrument: Laptop) vor, dass scheinbar wie ein Mix aus Feldgeräuschen und Electronics klingt. Das halbstündige Werk beginnt sehr verhalten, langsam und bedächtig, nur allmählich und behutsam steigert Delplanque die Geräuschkulisse. Bis zum Ende hin bleibt der Sound moderat und entwickelt dadurch seine Stärke. Warum nun Ausnahme? Weil hier weder gefreejazzt, genoist oder sonst freie Improvisationen zum Zuge kommen. Ein interessantes Stück, bei dem man nach einer Weile zu glauben beginnt, das Fenster stehe offen und undefinierbare Geräusche dringen von draußen ans Ohr.

Martine Altenburger & Lê Quan Ninh - Love stream insub11
Ein Cello (Altenburger), Percussion (Quan Ninh) und rund 50 Minuten freie Improviation. Für mich dominiert Ninh, dem auf diversen Instrumenten immer wieder neues einfällt, ein insgesamt unruhiges Hin- und Hergetrommle, Geklappere, Gezische, Geschabe, aber auch ein Eingehen auf den anderen, ein Zu- oder Wegdriften. Das Cellospiel hinkt dem rhythmischen ‚Liebesstrom' etwas hinter her, dafür findet Altenburger m. Meinung nicht genügend Ausdrucksformen, obwohl sie heftig klopft, quietscht, zupft und über die Seiten schrammt.

Delocalized edo004
electronic remixes of a jazz band, so heißt der Untertitel dieses sehr guten sechs Stücke beinhaltenden Albums von 2005. Die Originaltracks sind von Pulcinella, bearbeitet und remixt wurden sie von Musikern der edogme-Family (Kirbi, Fedaden, Cloth, Liliom, D'incise und Bazaar). Es ist kluge, originelle und intelligente Musik herausgekommen, bei der auch Sample-Spielereien, Loops und jede Menge Click&Cut zum Einsatz nicht zu kurz kommen. Ebenso hört man deutlich, dass die Jungens auch Humor haben. Eine Kompilation der Extraklasse.
Unbedingt die witzige Webseite von Pulcinella ansehen! Eine vierköpfige französisch Akustik-Jazz-Folklore-Gruppe. Mit Videos und Musik.

Various Artists (1&2) edo003
Auf zwei Alben gibt es insgesamt 17 Tracks, die eine gelungene Mischung aus experimenteller Elektronik und Jazz geworden sind. Manches klingt hier nach mehr traditionellem Sound und Stil verbunden, als die späteren, weitaus radikaleren Einspielungen. Es gibt Rockiges (Yannick Puybaret 1-5), Genesis-Anklänge (Zoon 1-3), gekonnten Cool-Jazz traditioneller Art (Contrabande 1-2), düsteres Elektronik-Gezirpe mit geheimnisvollen Alien-Voices (Kirbi 1-7), gemütliches Chill-out-Trommeln (Volvotraxx 1-9), Solo-Free-Jazz auf dem Tenor-Sax mit Ferdinand Doumerc (2-1), schön Gesungenes plus Baßklarinettenkrämpfe und rhythmischen Seufzern (Vincent Ferrand 2-2), Hardrock-Jazz mit romantischem Beginn und abwechslungsreichen Stilwechseln zwischendurch (Sylvain Darrifourq Quartett 2-4) oder elektronisch verfremdete Gitarrenschnipsel (Julien Taillefer 2-8). Dies sind die Perlen, von denen ich w. o. sprach, die man eben durch geduldiges Durchhören und mit einem Quentchen Glück unter den Netlabeln finden kann.



ID.EOLOGY

Ein Label aus Deutschland und, wie bei vielen anderen, mit internationalen Künstlern. Im Jahr 2000 gegründet, bringt es ab 2003, mit einer Compilation beginnend, regelmäßig neue Releases heraus. Bisher haben sich fast 50 angesammelt. Auf ihrer ausführlichen Webseite dokumentieren die Macher in englisch & deutsch vergangene und laufende Aktivitäten.

Macher und Künstler von Id.eology haben nichts gemein mit schwermütiger Rausch-Elektronik und frickliger Synthie-Avantgarde. Hier ist Easy-Dub-Listening angesagt und man bekommt feine Grooves und Dancemusik at its best zu hören. Absolut empfehlenswert z. B. und originell obendrein: Bangguru, die mit 2 Alben vertreten sind. Die vierköpfige Band aus Portugal hat mit Leadsängerin Marisa Fortes eine überzeugende Frontfrau, die auch sämtliche (englischen) Texte der durchweg eingängigen Songs schreibt. In ihrer Musik verarbeiten die Banggurus geschickt zeitgenössische Trends und formen sie zu einem eigenen Sound. Die zweite Veröffentlichung Bang the Guru ist weniger Mainstreamförmig ausgefallen und hat mich noch mehr für diese Gruppe eingenommen. Eine lohnenswerte Entdeckung!

Wers dagegen trippiger haben will, sollte sich die Alben von Phour Trakk, z. B. Lost in Transition id028 anhören. Das ist überwiegend gemäßigte Gitarren-, Bass- & Keyboardmusik mit einigen Samplerrhythmen, die einen nach hektischem Rausch wieder schön zur Ruhe bringt und einen sanften Download verschafft. Klingt so wie ein Sonnenaufgang über der Stadt, den man auf dem Dach eines Altbaus genießen sollte. Möglichst nicht allein. Phour Trakk lässt dich noch mal abschweben, ohne dass du dabei die Füße vom Boden heben musst…

Und dann gibt's da noch Elektrokill - SDLUGHA IRUXK'Y.
13 Miniaturen (in der Kürze liegt die Würze) aus dem Sample-Mix-Laboratorium. Bevor man sich an die witzigen Beats und Grooves und an Irgendwas, das da eben vorbeigerauscht ist, gewöhnt hat, ist der Track auch schon zu Ende und ab geht's mit der nächsten Merkwürdigkeit. Pfiffig, kenntnisreich und sauber zusammengeflickt das ganze!
Als Beispiel zum Reinhören, das Stück gogomanene (mit freundl. Dankeschön ans Label), a splendid time is guaranteed …

Zengineers -Hikari - The Return Of Intelligence id045
Im April 2008 erschienener Release. Drum'n'Bass wie man es nicht oft zu hören bekommt! Spitzenmäßige Qualität und überaus einfallsreiche Kompositionen geben sich hier siegreich die kreativen Hände. 14 Tracks sind ne Menge stuff, da erwartet man auch Hänger oder Luschen. Hier wartet man vergebens. Von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach spannende Musik, im wahrsten Sinne des Wortes 'intelligent' gemacht. Ob das den rhythmischen, den gesanglichen oder (seltener) experimentellen Teil betrifft: Hier sind Könner am Werk.
Das ganze ist als Doppel-Release angelegt, eine Novität in der Netlabel-Szene. Spannend daran: die zweite Veröffentlichung gibt's bei einem anderen Netlabel, nämlich bei musicartistry, da ist der zweite Teil 'Yamio' erschienen. Das sind dann nochmal zehn ebenbürtige Werke, von gleicher herausragender Qualität: Variationsreich und mit gelungenen Vocalstellen, eingestreuten Stimmensamples und einem absoluten Gefühl fürs exakte Timing. Lange nicht so was Gutes gehört!

id classics Nr. 1 (Oktober 2008), mit dem gar nicht bescheidenen Titel Allstars Frühwerk, beinhaltet sowohl Werke aus der Anfangszeit des Labels, als auch remixte Versionen früherer Stücke. Eine gelungene und mit Wiederhör-Effekt versehene Compilation bestehend aus 11 Tracks. Die Mitwirkenden: Cuebism, DJ Draw a.k.a. Elliptic, Smartbrain a.k.a. Sudio, Yakitorih, Projektohr, Oddjob + Green Planet. Ein knappes Stündchen gepflegter und beschwingter Musik aus dem ambient/techno/electronic-Bereich. Die Idee dieser Retrospektive kam den ID.EOLOGY-Machern beim Kaffekränzchen, sollten sie öfter mal aufbrühen, scheint die Kreativität zu steigern.

iD.053 - Monokle - Tesaurus (2009)
Ganz lässig gemachtes Superalbum voller sich wiederholender Minimalmelodien, die wie eine endlose Schleife in den Ohren verweilen und eine saugute Easy-Listening-Stimmung verbreiten. Meistens von gemäßigtem Beat begleitet, ab und zu ein wenig dezent und klug eingesetzte electronics im Hintergrund, läuft diese Musik zu einem Film, den du tief in deinem Herzen fühltest und schon immer mal mit der liebsten Person deiner Wahl sehen wolltest. Der Sound kommt exzellent rüber, sauber eingespielt. Zehn Stücke, die erst an einem vorbeilaufen - doch dann bist du's, der ihnen hinterher läuft.
Die Covergestaltung gibt den naiven Charme der Musik treffend wieder. Ich finde: Einer der Höhepunkte des ID-Labels.

id.059 - Michael Hoffmann - Mind Trips (2010)
Der Schlagzeuger Michael Hoffmann zeigt mit diesem Ambient-Album, was ein gefühlvoller Drummer jenseits donnernder Beats und virtuoser Soli mit percussiven Instrumenten und Sample- und Looptechniken anstellen kann. Hoffmann ist in der Netlabel-Szene kein Unbekannter, einige ähnlich gelagerte Werke sind von ihm im Umlauf. Diesmal sind es fünf Tracks, die insgesamt 58:45 lang sind. Jeweils um einen Zentralrhythmus gelagerte Improvisationen und Soundmarkierungen begleiten und ergänzen den Beat. Es gibt keine gewaltigen Ausbrüche, keine dramatischen Exkursionen, alles bleibt verhalten, im Ungewissen, Geheimnisvollen. Oft wird der Echoeffekt eingesetzt, dem Sound kann man eine gewisse Düsterheit nicht absprechen. Das ist ein Album, dem man mehrere Chancen geben sollte. Mit einem Mal Hören ist es nicht getan und vorteilhaft für das Verständnis dieser Musik wäre ein gewisses Gefühl für monotone Strukturen. Hier wird mit feinem Pinsel gearbeitet, deshalb erfordern die Stücke Aufmerksamkeit. Im längsten Stück, Tunguska (18:40), öffnet Hoffmann den Horizont etwas und produziert beinahe so etwas wie ein herkömmliches Schlagzeugsolo plus rückwärts eingespielten Soundrhythmus und anderen Effekten.
Mind Trips ist wie ein Abenteuer ohne Risiko. Man sollte sich dieses Abenteuer gönnen!



Kahvi Collective

Mit über 280 Veröffentlichungen (Januar 2010) betreiben die Finnen wohl eins der größten Netlabel, wenn nicht sogar das größte. Sie bevorzugen elektronische, idm, ambient und chill-sounds, die im ogg und mp3-Format vorliegen. Bei dem umfangreichen Archiv fallen einem die vielen Künstler aus Finnland ins Auge. Daneben sind Deutschland, USA, Bulgarien, Russland, Australien und Künstler aus diversen anderen europäischen Ländern vertreten.
Die Musik, die ich gehört habe, ist sowohl tanzbar als auch partygeeignet, manchmal experimentell und verspielt oder softig verträumt, oft genug einfach ist sie angenehm hörbar. Der Sound ist überwiegend gut bis annähernd perfekt (oft 320Kbit/s). Daneben gibt es Videos und eine ausführliche Artists-page. Einige neuere Beispiele:

General Fuzz - Red Balloon kahvi216
James Kirchner aka General Fuzz aus Ohio, muß ein sympathischer Zeitgenosse sein, denn er produziert freundliche, warme easy-listening-music und stellt diese auf seiner eigenen Webseite zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Das kahvi collective nun hat aus den bisherigen vier Alben des Generals eine zauberhafte Kompilation zusammen gemixt. 14 Tracks grooviger, uptempo Musik, die nichts weiter will, als gut zu unterhalten. Dabei kann man auch mal weghören, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Die Stücke sind ausnahmslos sehr gut produziert, hier ist jemand am Werk, der sein Metier beherrscht.

Stud - Greetings, Fatherland kahvi213
Russischer Musiker aus Moskau, der sich an Boards of Canada anlehnt, ohne reine Kopie zu sein. Seine Musik ist einfallsreicher, dunkler aber auch geprägt von ambient im Easy-Listening-Stil. Zehn Tracks, die durchweg zur Spitzenklasse dieses Genres gehören. Hörbeispiel (thanx to Kahvi) Track 3: gumcase
Schönes Cover mit russischen Birken, erinnert an Tschechow, an Olga oder Natascha.. .



Thomas Jerome Newton - Neglected Transient Quirks.kahvi184
Die sechs Stücke des Engländers sind vor allen Dingen geprägt von ausgefallenen Samples, denen er jazzige Rhythmen untergelegt hat. Seine Musik hat einige skurrile Momente und den sechs Tracks hat er rätselhafte Namen gegeben, die jedoch optional dem verspielten und mitunter dark-wave-lastigen Sound angepasst sind.

url - octopus city kahvi201
Acht Stücke im ruhigen, sanft dahinfließenden Ambient-Sound. Gitarre, Keyboard, flächiger Sound treibt dahin, getragen vom stabilen Rhythmus diverser Samples und Percussions.

nagz - hringur kahvi207
Eine Mini-Ep mit nur zwei Titeln sei hier dennoch erwähnt. Die Musik des aus Ungarn stammenden Performers klassifiziert kahvi als crazy, great, giddy, oblong, yellow - well, you`ll see what I mean when you listen.

Workbench - Zoo kahvi203
Mit dieser neun Titel umfassenden CD tritt man ein in die klassische ambient -music-world. Eigentlich passiert nichts - aber das in hervorragender Qualität und mit coolem Sound. Musik zum Abschlaffen der Extragüte. Entspannung pur.

Various Artists - Music for a Nightmare kahvi209
Eine Kompilation mit kahvi-Artisten. Zehn Titel. Ein Versuch zehn Alpträume audioell in unsere Gehörgänge fließen zu lassen. So unterschiedlich die Künstler (alexander chereshnev, saul stokes, eneftze & masse memoire), so unterschiedlich auch ihre Sicht auf den nightmare. Mitunter klingt es allerdings, wie ein gemütliches Nachmittagsschlafträumchen…




Lostfrog

Bereits 1993 haben die beiden japanischen Musiker Haruo Ishihara und Kazuki Kawai ihr unabhängiges Label gegründet. We strive to bring you stuff that we find interesting, compelling and enjoyable. Mit dieser programmatischen Zielsetzung im Gepäck sind bisher über 70 CD/DVDs erschienen. Man kann Lostfrog durchaus als Sammelbecken skurriler Musikformen bezeichnen, ohne den Künstlern damit zu Nahe zu treten. Hier findet sich Naiv-Stümperhaftes neben Intellektuell-Anspruchsvollem gleichberechtigt nebeneinander. Auch hier kommen die Artists aus aller Welt, schräge Spontanimprovisatoren und akribische Soundtüftler. Aus diesem Konglomerat unterschiedlichster Richtungen, scheint mir der Hang zum Extremen ein gemeinsamer Nenner zu sein. Die Lust am Zerstörerischen ist ebenfalls ein deutliches Merkmal der Lostfrog-Künstler, rücksichtslos werden bekannte Muster aus der Musikwelt geradezu genüsslich in die Mangel und mit anarchischer Freude auseinander genommen. Manchmal entsteht etwas interessantes Neues, manchmal bleibt nur ein ratloser Eindruck mit jeder Menge Ohrensausen. Mitunter findet man, sozusagen als Erholung zwischendurch, auch mal harmonischen Singsang - aber Vorsicht, es könnte eine Falle sein... Allerdings hat sich seit der letzten Veröffentlichung vom Juni 2008 nichts mehr getan, Hinweise auf der Webseite gibts auch nicht...

Beispiel:
Für die Harten: The Usaisamonster - Joshua Tree (LF068) Kopf der Band und Komponist aller Tracks ist ein gewisser Jamil Abdul Kebob. Die zehn Stücke (guitar, keyboard, drums) sind irgendwo im Bereich progressiver Rockmusik angesiedelt, erinnern hin und wieder an die frühen Mothers of Invention um Frank Zappa und verraten ihren Amateurcharakter auf charmante Art und Weise. (Ich brauchte ein bisschen um den Bandnamen zu entschlüsseln: The USA is a monster)

Für die Dummen: Kamp Chaos - Kampilation (LF056). Hinter dem Namen stehen laut Artist-Info 16 Personen, die in Amsterdam leben. Aber vielleicht ist alles nur Spielerei. Die sechs Tracks aus den letzten sechs Jahren, bestehen aus zusammen gemixten Schnipseln, die irgendwann beginnen und ebenso irgendwann aufhören. Eigentlich irgendwie überflüssig, weil nichtssagend.

Für die Heimatfreunde: Terror at the Opera - Self titled (LF057). Das sind Faith Gazic (accordion & vocals) und Gretchen Gonzales (guitar & vocals), dazu allerhand Musikspielzeug. Beheimatet in Michigan, sind sie so was wie die schräge Alternative zu den Spice Girls. Hier - und das ist die Frage - feiert sich die Naivität selbst, oder wird als Masche vertrieben. Mir gefallen die vier kurzen Liedchen.

Für Feministinnen: Crossbred - Feedbacks of the sacrifice (LF053). Rie Lambdoll & MAYUKo aus Osaka zeigen, dass auch das weibliche Geschlecht mit Sampletechniken und diversen Synthieprogrammen umgehen kann. Das halbstündige Stück, die Aufnahme einer Live-Performance, zeigt, dass hier genug Potential vorhanden ist.

Für Avantgardisten: Big City Orchestra - Things fall down (LF064). 19 Stücke einer mehrköpfigen Gruppe, deren Herkunft leider im Dunkeln bleibt. Artistisch verspielte Musik, die sowohl mit akustischem, als auch elektronischem Instrumentarium eine teils harmonisch-friedliche, teils dissonant-bedrohliche Atmosphäre aufbaut. Angesiedelt irgendwo zwischen allen Stühlen, dennoch, oder gerade deshalb, hörbar.



monotonik

Dieses Label existiert bereits seit Mai 1996. Es wurde von Simon Carless "as an outlet for talented electronic musicians who weren't getting the attention they deserved" gegründet. Seither sind mehr als 300 Alben veröffentlicht worden. Neben der Musik sind die Macher mit ihren Partnern mono211 an verschiedenen anderen Projekten beteiligt und rühmen sich auf ihrer Homepage mit "millions of downloads of our tracks." Wer die Musik der Künstler besonders schätzt wird um Unterstützung der "real-world (CD/vinyl) releases" gebeten. Als Motto der Macher seint zu gelten: "We do this for fun. Music is great, and giving great music away for free is even better. Hope you dig it."

mtk212 General Fuzz - Soulfoul Filling

Erschienen im Juni 2009, 11 Tracks, 50 Minuten, unterschiedliche kbps.
Entspannte idm-music, ambient zum relaxen, rhythmisch schön garniert und mit allerlei funkig-jazzigen Einschüben gespickt, das ganze abwechslungsreich gemixt, auf einer elektronischen Basis aufbauend mit vielen Melodien, die hier nicht nur als Fragmente daherkommen, sondern auch mal länger durchkomponiert erscheinen. Hörenswert fürs Gezielt- oder auch fürs Nebenbeihören. Die Musik ist perfekt abgemischt.

mtk208  Sleepy Town Manufacture - Hello & Goodbye

Januar 2009, EP mit 4 Tracks, knapp 20 Minuten, 320 + 242 kbps.
Eine Produktion aus Russland, die behagliche idm-Atmosphäre und ambient-Schwingungen verbreiten. Gelungener Sound und sparsame Einblendungen, wie entfernte Vogelstimmen im Titelstück, sowie mäßige Rhythmik, machen aus dem kurzen Besuch einen angenehmen Aufenthalt.



muertepop

Seit Januar 2007 bereichert dieses italienische Label die Szene, das Musiker der indie, electronic und experimentellen Richtung anspricht. Seit Anfang 2008 produziert man auch CD's zum Verkauf. Die bisher erschienen 14 Releases bieten größtenteils ruhige Musik, ein schönes Beispiel ist der Sampler


Let's talk about muertepop #2
Rund 40 Minuten meist behaglicher Chill-Klänge, die an einem vorbeiziehen, wie ein bewölkter Tag (Track03 OTO - Mente) mit gelegentlichen Aufheiterungen (Track06 All about Max - Leaving Myself). Einziger Stimmungsverderber ist Track 09 ete - You can find a neu cluster of the Faust, auf den man bei der eigenen Zusammenstellung ruhig verzichten kann.


muerte012 Aquilone - Aeleria
Cyril Guillory aus dem französischen Rennes hat mit dieser elektronisch-, experimentellen Pop-Musik den Spagat zwischen Eingängigkeit und Experiment kongenial gelöst. Die Mischung aus elektronischen und akustischen Instrumenten gelingt dem Franzosen äußerst überzeugend.



muerte013 Let's drive to Alaska - A bell and a mirror
Auch hier bekommt man eher leise oder wenig aufregende Klänge zu hören, was der Musik des amerikanischen Kollektives aus Los Angeles um den Laptop Guru Chris Garcia aber gut ansteht. Zwar ist eine gute halbe Stunde Musik etwas wenig um nach Alaska zu reisen, aber der Anfang ist immerhin gemacht. Let's drive to Alaska verarbeitet in diesen sieben Tracks wenig unterschiedliches Material, verzichtet auf komplizierte Strukturen und hält konsequent an einer einfachen Machart fest.



Observatory online

Viel Infos über den oder die Macher gibts auf der längere Zeit schon nicht mehr aktualisierten Homepage nicht, deren letzter Eintrag vom August 2006 ist. 45 Releases waren da gelistet, seitdem ist nichts neues mehr hinzu gekommen. Das erste Album erschien 2002, alle Track sind im platzsparenden ogg. Format (mp3 über archiv.org). Man begnügt sich mit der Aussage, freie Musik zur Verfügung zu stellen, die Dedicated to the electronic experimentation of sound and vision ist. Der Hinweis, im Moment keine Demos mehr anzunehmen, da man genug Angebote zur Verfügung hat, zeigte zum damaligen Zeitpunkt wohl eine gewisse Beliebtheit in der Szene. Zu recht.
Observatory ist ein weiteres Label, das ausgezeichnete Veröffentlichungen zu bieten hat. Die angebotenen Stile der Künstler kommen sowohl aus dem Bereich experimenteller dub-ambient, als auch progressiver Pop- und elektronisch-verspielter Easy-Rock-Musik. Diese ‚Einordnungen' sind bitte nur als ungefähre Richtungshinweise zu verstehen und nicht als Schubladen-Dogmen. Das Überschreiten musikalischer Genre-Grenzen ist bei Observatory obligatorisch, geschieht allerdings mehr behutsam, als stürmisch.

Beispiel:
os001 - The Uberkids - Remixes Part One
Der erste Release des Observatory-Netlabel enthält sechs Titel voller Überraschungen. Kinderstimmen, die umgeben sind von angenehm im Ohr klingenden Samples und Loops. Rebeka und Noah Simon heißen die beiden, die sich hier im frühen Kindesalter in alternativer Gesangstechnik üben und deren improvisierte Melodien der Papa, Phasmid, schön auseinander genommen und mit Humor wieder zusammen gesetzt hat. Eher nicht als Lullabys geeignet. Es werden verschiedene Artists für die einzelnen Stücke angegeben (jeder mit Verweis zu eigener Webseite), darunter zwei pieces von Tape, je eins von I am Robot & Proud, Sweet Trip und Headphone Science das sind Richard D. James und Kid 606 (hier lohnt sich ein Besuch ihrer Homepage und der Download von children of divorce und consider the problems, zwei Kurzhörspielen in sechs bzw. zehn Teilen; american way of life mit bösen Untertönen, Mini-Dramulette, klug, mit intellektuellem Habitus und professionell eingespielt, harmonische Musik mit dekorierenden electronics, wobei consider the problems die härtere Gangart anbietet - absolut empfehlenswert!! s.auch os015 Headphones Science - Setsumei EP mit drei Titeln).
Als Hörbeispiel: os001-04_-_Headphone_Science_-_I_Dont_Make_Noises.mp3
Und natürlich: os016 - The Uberkids - Remixes Part Two (Ebenso witzig, wie der erste Teil. Die Kids sind bisschen größer geworden und räumen ganz schön ab, höre: Track 4 - Use - Uses Influence).

os017 Eiafuawn - The Modulator Hustle
Clay Parton heißt dieser junge Musiker, der alle Instrumente der fünf Tracks selber eingespielt hat, analog, digital. Es sind kurze, simple Songs, fast traditioneller, leicht schräger Prog. Hier gibt es keine electronics, alles ist handmade. Man hört, der Junge hat eigene Ideen und weiß, sie umzusetzen.


os021 Books On Tape - Say more with Less
Todd Matthew Drootin ist der musikalische Kopf, der Books on tape ins Leben gerufen hat.
Mit Solo- oder Gemeinschaftsprojekten ist er in den USA unterwegs und veröffentlicht seit 1998 seine meist rhythmischen und aus vielen musikalischen Klangbereichen schöpfenden Stücke. Die vier Tracks aus dem Jahr 2003 sind kurz und prägnant, man könnte mit einer schnippischen Bemerkung darüber hinweg gehen und sagen: Er hat sein Laptop im Griff. Für mich kommt aber das Quäntchen an Originalität hinzu, das seine Musik aus der Masse heraus hebt.

os029 Skope - Buildings
Der Softwareentwickler Doug Eisengrein aus San Francisco scheint ein friedlicher Zeitgenosse zu sein, denn seine EP mit vier Titeln strahlt eine gewisse Abgeklärtheit aus, die Menschen mit einem ruhigen Innenleben auszeichnet. Über einen moderaten Grundrhythmus, sozusagen das standfeste Fundament, baut er seine Sound- und Melodiebögen auf und läßt den Hörer an der Architektur des jeweiligen Stückes teilhaben. Dies geschieht unaufgeregt, vermittelt aber eine sympathische, warme Aura, so dass man der relaxten Musik gerne zuhört.



OUIM

Aus Bulgarien bereichert das OUIM.Netlabel die Szene. Anfang 2005 gegründet von Simeon Stavrev and Polina Valerieva, bisher über 50 Alben bulgarischer, ukrainischer, bosnischer, russischer Musiker.. OUIM sind offen für alle Arten von elektronischer Musik, die eine progressive Richtung haben. Als Motivation für ihre Tätigkeit schreiben sie: The music is our key that opens a door out of the monotonous digital existence and into the free land of our imagination. Darüber hinaus überraschen die Bulgaren auch mit rockigen Ethno-Tribe-Klängen, wie die der Band of mad women, einer fünfköpfigen Formation, die neben den Sängerinnen und Sängern auch traditionelle Instrumente mit Sample-Programmings vermischen. (Die Downloads kommen etwas zähflüssig, die Geduld wird aber belohnt).
Beispiel:
Observation Point (Port Talbot, United Kingdom)
Ouimnet 33th - Nobody here
Beeinflusst von der Landschaft und Atmosphäre um Port Talbot in Süd-Wales, gelingt es dem Musiker (den Musikern? - leider nur sehr unvollständige Angaben auf der Homepage) einen von lang anhaltenden Schwellklängen geprägten Sound zu kreieren. Die sechs Stücke des ca. 45minütigen Albums sind sich vom Aufbau her ähnlich, ihre Unterschiede findet man im geduldigen Zuhören. Mit Landschaft sind hier wohl nicht nur Wiesen und Wälder gemeint, sondern auch Industrieanlagen. Insgesamt eine eher dunkle Stimmung mit gelegentlich verhaltenem Rhythmus unterlegt.

Observation Point - Ouminet 52th - of Pulses and Drones
Im Januar 2008 veröffentlichter Release. Ambient der unspektakulären aber gleichwohl ansprechenden Art. In sich versunkene Soundkreationen kreisen im fließenden Strom schwellender Klänge. Würde sich gut für Lichtinstallationen eignen.







planetarium records

Dieses Label ist in New York beheimatet, seit 2002 werden Releases veröffentlicht, experimentelle electronic/accoustic Musik ist bestimmend. Laut Selbstaussage bietet das Label Musik for public consumption and/or provocation. Zusätzlich stehen unterm Link atrium eigenwillige Videoclips zum Download bereit. Den spärlichen Informationen lässt sich nicht viel mehr entnehmen. Drei Alben zur Auswahl:

gazing of the owl-god * gazing of the owl-god #1 lab118
Ein Werk vom Mai 2007 ist von Nigel Samway und soll das erste einer Serie werden. Sieben Tracks in sich ruhender, versponnener Musik, im Grunde ist es ein Kurzhörspiel, angesiedelt in psychedelischen Bereich unserer Innenwelt. Samway nutzt sehr schön seine field-recordings mit Elementen elektronischen Sounds und kurzen Schnippseln aus Film- oder TV-Dialogen. Akustische Instrumente sollen ebenfalls benutzt worden sein, sind durch Filter jedoch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Insgesamt ist ein irgendwie mystisches Klanggebilde entstanden, das mich jedenfalls neugierig auf weitere der angekündigten Serie gemacht hat.

bait and switch * rock me to sleep! Lab113
Wer es gerne kurz, heftig und schräg mag, kommt bei diesem knapp viertelstündigen Album auf seine Kosten. Die zehn Tracks von Rock me to sleep sind eine abgefahrene Mischung aus konventionellem Rock und zerstörerischem Sound, der wie ein wütender Irrwisch jedwedes Wohlgefühl beim Hören zunichte macht. Zart besaitet sollte man hierbei nicht sein. Wer sich dennoch traut erlebt ein kurzweiliges Hörabenteuer der mehrfachen Art. Über bait and switch (dt. Lockvogeltaktik) ließ sich nichts in Erfahrung bringen, der Artist-Link führt ins Internet-Nirgendwo.
Bereit mal zwei Minütchen Probehören? Track06-Throes.mp3

lucidikah & awt * one thousand cigs later Lab101
Als Debutalbum von planetariumrecords gab es diese 76minütige Sampelorgie der kompromisslosen und dem Titel ist zu entnehmen, wohl auch recht ungesunden Art. Die Musiker (Anders a skilled worker in terms of drum fuckery and Kaleb is known for ambient pieces and pandas) zeigen auf den 15 Tracks einfallsreiche und spannungsgeladene Mischungen aus bescheidenem weihnachtlichem Ambient und durchgeknalltem Samplewahn. Klingt manchmal wie ein unkontrollierter Flipperautomat. Mitunter auch lustig. Mehr über awt (Anders Walldén) gibt's auf seiner Homepage, hier .


Quiet Lounge
Auch hier sollte man unbedingt mal ein Ohr reinhängen! Quiet Lounge ist ein Label für aiatische Musiker - aber nicht nur - und wer seine Hörsinne gerne mal mit außereuropäischen, in diesem Fall eben fernöstlichen, Klängen konfrontieren lassen will, ist hier an der richtigen Stelle. Im Dezember 2008 lagen vierzig Releases vor. Seit Oktober 2005 ist es den Machern gelungen eine schöne Sammlung elektronic-techno-minimal-Alben zu releasen. Geschickt spielt man bei der Cover-Gestaltung mit dem Mao-Image der Chinesen. Die erste EP hat zwei Tracks und bietet mit Red Unit und "North Korea Nuclear Programm" gleich einen forschen Einstieg, musikalisch zwar etwas dünn, aber durchaus hörbar und mit Humor gewürzt. Das zweite Stück - Compulsion - ist ein rhythmischer headbanger mit (wahrscheinlich?) chinesischem Kommentar.

Mit "The Ideal of Maoism" legt Red Unit noch eins nach und gibt somit die 'ideologische' Richtung vor, man sollte das jedoch nicht allzu Ernst nehmen. Möglicherweise wird das aber im Land der aufgehenden Sonne ganz anders gesehen. Für mich als Europäer bleibt die Musik - und die läßt nichts zu Wünschen übrig.


Gewöhnungsbedürftig sind die Versuche von  Synth R.I.U.   (inzwischen vier Releases) buddhistische Gesänge aus Japan mit treibendem techno-beat zu unterlegen  ql003 - Rush!  . Da der Gesang wenig variabel ist und auch der Rhythmus auf der Stelle tritt, wirkt das Ganze nach einer Weile ermüdend. Vielleicht hilft ja ein Schälchen grüner Tee mit Ingwer, um die richtige Vibration zu erlangen...




seedsound

Gegründet 2004, hat das anspruchsvolle Netlabel bisher 23 Releases veröffentlicht. "Just good tunes from good people, all around the world", das wollen die Macher (sie bleiben übrigens merkwürdigerweise unbekannt) anbieten und legen sich somit auf keinen speziellen Stil fest.

Mit knapp 75 durchgehenden Minuten trockenem techno-, blip-hop, glitchy 'idm' und tribally electro-house rhythms vollführt Noah Christopher seinen Earthdance-Mix 2006 [seed019mix]. Insgesamt ist der Rhythmiker Christopher mit fünf Releases bei seedsound vertreten. Er bringt die Musik auf den Punkt, schnörkellos ziehen die Beats dich in den Bann, hier gibt's kein Stillhalten, Abtanzen bis zum Entzug.

Das er's auch gemächlicher und verspielter angehen kann, zeigt er mit dem Release-EP Dub by numbers [seed018], drei schöne uptempo-Tracks, die nach dem vorigen Dance-Marathon für die richtige Entspannung sorgen.



Im ambient- und space- bzw. deep-space-Bereich bewegt sich Observation Point (Das hervorragende Nobody here auch bei OUIM ). Immerhin vier Alben verzeichnet der seedsound-Katalog [seed016 - 017 - 020 - 023], einiges mehr findet man auf der eigenen Homepage von [OP]. Hier ist Atmosphäre gefragt, innere Welten und Zustände tun sich auf oder wollen sich verbergen. Kurze Melodien schweben herein, verharren, wiederholen sich, verschwinden und werden von anderen Soundbögen abgelöst. Schöne Musik zum Abturnen.





serein

Seit 2005 existiert diese kleine aber feine englische Netlabel aus Wales. We largely concentrate on releasing experimental, ambient and electro acoustic compositions. So beschreiben die (oder der?) Macher das Anliegen von serein. Bisher sind 16 Alben, die zum Teil neben den MP3-Releases auch als Hard-Copy angeboten werden, erschienen.
Auf den beiden Collections Tracks in the snow (ser004) und ( ser010) gibt es eine Auswahl der oben in den liner notes anvisierten Zielsetzung des Labels. Es ist größtenteils elektronische Musik, die mehr einer moderaten Spielweise zuzuordnen ist. Akustische Klänge und Feldaufnahmen werden in die Soundträume eingemischt und verhindern, dass der Zuhörer von behaglicher Betulichkeit eingelullt wird. Es ist keine Musik zum "Nebenbei" hören, hier laufen Kinofilme vor dem inneren Auge ab. Bemerkenswert übrigens, dass die Musiker fast ganz ohne Rhythmusinstrumente auskommen. Klänge, Sound, Phasen der Ruhe, Geräusche und entfernte Stimmen, Loops und kurze Melodien auf Gitarre, Klavier oder Keyboardinstrumenten, das sind die Ingredienzien, mit denen die serein-family beeindruckende, meist dunkle und wie von Wolken oder Nebeln verhangene, Klangwelten schafft.

Beispiel:
Neuf meuf - It's cold in space (ser009)
Auf dieser rund 50minütigen CD zaubert der slowenische Musiker in elf Tracks die Atmosphäre einer unwirklichen, traumhaften und realitätsfernen Welt. Die Musik (überwiegend keyboard/synthie mit bisschen Gitarre und schleppenden Percussions) übt den Sog eines Tranquilizers aus und zieht dich allmählich - und nun kannst du selber wählen - hinunter oder hinauf. Es ist ein Sog, dem du dich kaum entziehen kannst, zumal er von der Gewissheit getragen wird, dass du irgendwann wieder heil zurückkommst. In dieser Welt kann man staunend herumschweben und Momente eines tiefen Glücks empfangen. Es ist ein esoterischer Trip, bei dem du sanft an die Hand genommen wirst. Lass dich gehen, der Weg ist das Ziel… Am Ende verbeugt man sich dankbar vor dem Schöpfer dieses Klangkunstwerkes…

Nest - Nest (ser013)
Bei dieser Musik sollte man die Augen schließen und sich auf den inneren Film, der dann in Erscheinung tritt, einlassen. So entstehen Reisebilder der besonderen Art. Es sind ruhige Reisen, die einen erwarten; vielleicht das langsame Vorübergleiten auf einem Boot in einem norwegischen Fjord; oder ein Ballonflug über oder unter den Wolken; vielleicht auch eine in Zeitlupe erfahrbare Fahrt mit der Eisenbahn; das Cover zeigt schneebehangene Bäume… Hier ist Fantasie gefragt, mag sein, dass der eine oder andere allmählich in eine schläfrige Traumlandschaft hinübergleitet, so sanft, wie die Klänge dieser Musik das Ohr umschmeicheln. Alles ist möglich. Was ist das für Musik? Ein aus der Ferne ankommender schwebender Sound, ein Klavier, das nur wenige Töne anspielt, eine kleine Melodie umreißt, ein unaufdringlicher elektronischer Mix, manchmal Harfenklänge; es klingt so, als hätte Eric Satie mal eben kurz eine musikalische Botschaft aus dem Jenseits geschickt. Eine kleine, leise Musik - aber von großer Kraft und Wirkung.
Fazit: Ein ausgezeichnetes Album mit nur einem großen Fehler: Es ist viel zu kurz!



Stadtgruen

Klassische Minimalmusik, Minimal-Dub und Minimal-Techno mit elektronischem Habitus bietet das 2004 gegründete Label auf seinen mittlerweile über 40 Releases. Der größte Teil der Musiker kommt aus Deutschland. Die beiden Betreiber, Martin Donath (Punkteins) und Axel Bergk (Lomov), geben auf ihrer Homepage folgende Erklärung für die musikalische Ausrichtung: Das Departement "Stadt" steht für Techno der härteren Gangart. "Grün" bildet den Gegenpool mit ambientlastigen Klängen und entspannten Tunes…Stadt steht für Kultur (bisher25 CDs), Grün für Natur (bisher 17 CDs).

Beispiel:
Lomov - Free Port [gruen001]
Hinter dem Namen Lomov steckt der Hamburger Axel Bergk (1960), der seit 2000 elektronische Musik macht und für sich die ambient, minimal und nu jazz-Richtungen entdeckt hat. Bisher sind vier Releases bei Stadtgruen unter seinem Namen erschienen, bei einigen anderen hat er mitgewirkt. Free Port gehört zu den ruhigeren ambient-Arbeiten, das musikalische Potential beschränkt sich auf langanhaltende Orgelklänge mit weitausholenden Melodiebögen und einem tropfenden Baß, zu denen ein raffinierter unaufdringlicher Rhythmus die passende Stimmung liefert. Das Cover bietet eine schwadenverhangene Ansicht von Industrieanlagen des Hamburger Hafens und entspricht kongenial dem etwas düsteren Sound. Hierfür steht besonders beeindruckend Track 8 -log.

Mit Lapilibrium [gruen008] bleibt Lomov dem ‚Orgelstil' zwar treu, erweitert sein Repertoire aber diesmal um kürzere Melodiefragmente, die manchmal wie Kinomusik aus den frühen 60igern klingt (mir sind da so einige Streifen vor allem aus dem östlichen Europa im Ohr). Als Thema hat er sich sieben Steine der Extraklasse ausgesucht, Steine, von denen die Wissenden sagen, daß sie Wirkungen auf den Menschen haben, Wirkungen, denen Lomov auf seine Art eine musikalische Umsetzung gewidmet hat. Auch hier wieder sparsame Rhythmen; überhaupt beschränkt er sich auf ein reduziertes Material an Klängen und an instrumentaler Hardware, schafft aber somit und mit weiteren Releases (Aquarius [gruen020] + Labwork [gruen021]) eine Ausdehnung seines musikalischen Universums.
Lomovs Musik klingt ähnlich, aber nie gleich. Sie braucht Aufmerksamkeit. Dann entdeckt man wie vielseitig sie ist…



Nights in Ural/Dataman - Situations [gruen014]
Andreas Seibel, gebürtiger Russe aus Ural, ist in vielen Stilen zu Hause - electronic. Techno, Hardcore, Trance, Minimal -, beschränkt sich bei diesem Release jedoch auf Endlos-Loops zu denen der stabile Rhythmus ein festes Gefüge bildet. Langgezogene Synthi-Klänge bieten klagende Melodien, dazu kleinere Sound-Verwaschungen und Frequenz-Knattereien. Alles im mäßigen Tempo, moderato ist angesagt. Die einzelnen Stücke entwickeln hypnotische Wirkungen, die Wiederkehr des ewig Gleichen in anderen Facetten fasziniert auf Dauer und setzt, wenn Stimmen auftauchen (Track 04 stalking), Visionen frei, die einen sanft an die Hand nehmen und du staunend eins wirst mit dem Rhythmus. Auch hier, wie bei Lomov, ist langer Atem gefordert, um Hörgenuß in sich aufkommen zu lassen. Wenn sich dann die Tür geöffnet hat und Erkennen dein Innerstes zu Füllen beginnt, kannst du beruhigt die Reise zum Ural antreten, Dataman leads you…

Craque - Density Operator [gruen025]
In diese artifiziellen Klänge des US-Amerikaners Matt Cooke-Davis fließen einige Avantgarde-Kenntnisse mit hinein. Der Umgang mit Samples und die Verbindung derselben innerhalb einer Songstruktur sind oft nicht jedermanns Sache, hier aber zeigt es sich wieder einmal: wer damit umgehen kann und das richtige Öhrchen für's Abmischen hat, zaubert solche Perlen hervor, wie sie auf diesem Release zu hören sind. Der einheitliche Sound der sechs Tracks verleiht ihnen etwas Konzeptionelles. Es gibt Überraschungen, die wie plötzliche Schnitte in einem Film eingebaut sind. In "ausdruck" ist es das beinahe witzige Einfügen einer akkustischen Gitarre, das für Aufmerksam sorgt. Track 5 "interfere" ist ein eher düster angelegtes Stück, das schon mal trübe Gedanken aufkommen lassen kann. Insgesamt hervorragende Qualität. Das Cover unterstreicht einmal mehr die niveauvolle Layout-Gestaltung bei den Machern von stadtgruen.



test tube

Ein 2004 gegründetes portugiesisches Netlabel, das sich an Musiker weltweit wendet, die in ihrer Musik neues ausprobieren wollen, akustisch oder elektronisch. Je tiefer man sich durch das Archiv gräbt, desto überraschter wird man angesichts der reichhaltigen Stile, die angeboten werden. Über 100 Alben bietet test tube inzwischen zum kostenlosen Download an, die ersten 75 davon gibt's auch als collected works auf einer DVD zu kaufen, immerhin schlappe 40 Stunden Musik als MP3. Hier ein kurzer Überblick über einige bisher erschienene Alben von 2007.

Wenn die experimentelle Richtung bevorzugt wird, bekommt man Feldaufnahmen, Noise und Electronics zu hören, eben was Laptop, Filter, Talent und Geschick so hergeben. Alle möglichen Arten von Rauschen, Zirpen, verzerrten Frequenzen, Dröhnen, Brummen, bietet z. B. auch nodepet, concret muser tube077 wo Olliver Wichmann (a secretive german guy, obsessed with overly processed and cerebral experimental music) in knapp 80 Minuten auslotet was er in experimenteller Richtung so drauf hat. Im Grunde hat man diesen an- und abschwellenden undefinierbaren Sound schon oft gehört und doch ist der Mix hierbei reizvoll zu beobachten. Das Entstehen von atmosphärischen Strukturen und Klanglandschaften, von Soundtrauben und blubbernden, weit entfernten, Explosionen, hinterlässt beim Durchhören der 15 Tracks einen gemischten Eindruck. Der test tube Kommentator Pedro Leitao empfiehlt: "Maybe we shouldn't be thinking too much about the music. Instead, we should get down and dirty, with all 79 minutes of it."

Hin und wieder schleicht sich ein Sonderling von Album in den test tube Katalog ein. Positiv aufgefallen ist mir dabei die Band post human era mit ihrem Album where I'm going half the time tube080 . Das klingt ungefähr wie eingängiger IndiePop mit manchmal weichem, fast flüsterndem Gesang. Die elektronischen Dekorationen stehen ganz im Dienste der melodiösen Songs. Das ganze ist einfallsreich arrangiert und sauber produziert. Gemacht haben die acht Tracks Daniel and Michael Finfer aus den USA. Test tube: "It's a pleasant blend of moments, from pop music to experimental stuff."

Ein weiteres interessantes Projekt ist mother, live at barnsdall park tube 074 von dem US-Amerikaner Chris Komashko, der bereits Erfahrungen im Umgang mit Geräusch- und Klangverarbeitungen als Sound- Designer bei verschiedenen Film- und Musikprojekten gesammelt hat - und das in beachtlicher Weise. Die acht durchgehenden Stücke zeigen jedenfalls, dass er klug mit elektronischem Material umzugehen weiß, wohin die Reise geht, bleibt aber oft ungewiss. Zwischendurch eingestreut gibt's kurze nostalgische Songschnipsel aus den 20/30iger Jahren. Komashko möchte mit seinem Projekt den Versuch wagen, "[to] push the concept of story telling as far away from song writing as possible and still communicate to the listener." Es lohnt sich auf den nächsten Versuch der 'Mutter' zu warten.

Hugo Paquete heißt ein portugiesischer Musiker der mit Laptop und Analog-Geräten experimentiert. Seine EP Commutative tube 091 gibt einen kurzen, knapp 28minütigen Einblick in seine aufregenden Soundcollagen. Von einem Bordunton ausgehend, blendet er einen Layer nach dem anderen ein, fügt manchmal bearbeitete Stimmen hinzu und lässt - offensichtlich unverzichtbarer Standard in diesem Genre - Klanggebilde an- und abschwellen. Das Stück Stubbornness ist darüber hinaus mit gelungenen Improvisationen gefüllt, so dass, gefördert durch den anhaltenden Ton, eine faszinierende Sogwirkung entsteht. Seine ‚Musik' kommt ohne Melodien und fast ohne Rhythmus aus, dennoch ergreift sie einen.

Gordon Tebo hat seine eigenen Ansichten was Minimal-Musik betrifft, was Techno angeht und wie man electronics auch verwenden kann. Mit tube120 und Tebo's EP patina turner ist ihm ein überzeugendes Kurzwerk gelungen. Vier bescheidene Tracks lassen aufhören, für mich ist die Nummer zwei - sleeper wakes - ein ohrwurmverdächtiges, weil vom Rhythmus her, originelles Stück. Die anderen drei sind für meinen Geschmack dann dem Techno zu sehr verpflichtet, lassen aber von Qualität und sparsamer Kreativität nichts zu Wünschen übrig.

 tube 186 Slept - slept
Vom polnischen Künstler slept veröffentlichte testtube im Oktober 2009 diese EP mit vier Titeln. In der Tat und treffend betitelt handelt es sich um schlafgebende Klänge, die sich ruhig und betulich um sich selbst drehen und niemanden auf- geschweige denn anregen. Hintergrundklänge für Arztpraxen oder Meditationsstuben mit oder ohne Räucherstäbchen.


The Sales Department tube 185 hat im September 2009 die EP a practical guide bei testtube veröffentlicht. Fünf Tracks im soften Dubsound, zu dem ein einfallsreiches Klangspektrum hinzukommt. Leise Melodien, leise, verhallte Stimmen. Langgezogenen Klangbögen stehen mitunter nervöse Rhythmen entgegen. Und das wirkt sich für meinen Geschmack nachteilig für die Musik aus, denn der treibende und etwas klappernde Beat, scheint einen anderen Sound zu fordern. Insgesamt aber ein interessanter Versuch. Bestes - aber leider auch kürzestes - Stück für mich: Der Titel gebende Track 5. PS: Herausragende Klangqualität.

Packenden und experimentellen FreeJazz bieten Diatribes + Curado + Viegas mit ihrer Veröffentlichung tube 183 Travessia dos Respigadores. Cyril Bondi (drums), Paulo Curado (saxophone) und João Pedro Viegas (bass clarinet) liefern sich die für diese Gattung nötigen Improvisationen in kollektivem Zusammenspiel. Das ist mitunter kraftvoll, hat aber auch mäßige Momente, in denen Laptopnoise hinzu kommt. Eine knappe Dreiviertelstunde lang, aufgeteilt in sieben Tracks, FreeJazz, der allerdings ziemlich gezügelt daherkommt. Eine Art FreeJazz-Light für Einsteiger. Durchaus empfehlbar.



Thinner

Die Geschichte des deutschen Thinner-Netlabels reicht zurück bis 1998. Seit 2001 werden auch MP3-Dateien zum freien Download angeboten. Our service is to distribute good electronic music across the world. Diesen simplen Anspruch größtenteils erfüllt zu haben, hat das Thinner-Team mit bisher 100 Veröffentlichungen unter Beweis gestellt. Die Artists-Liste umfasst - mit einer Ausnahme - westliche Künstler aus Europa und USA/Kanada. Ein Kennzeichen des Thinner-Euvres ist die gute Klangqualität. Geboten wird rhythmische Ambiente-Musik der anspruchsvollen Art, dabei nutzen die Musiker die Techniken zielbewusst, ohne sie überzustrapazieren. Krasse Noise-Experimente gibt es weniger, man begnügt sich mit Bekanntem aus der elektronischen Dub- und Techno-Musik und ihrer diversen Spielarten.
Zu den einzelnen Alben gibt es oft ausführliche Informationen über den/die Musiker, manchmal sogar in drei Sprachen (dt, engl, frz).
Wer sich durch das umfangreiche Thinner-Archiv durchhört, wird mit variationsreicher, tanzbarer aber auch besinnlicher Musik belohnt - und das alles, wie bei allen anderen hier vorgestellten Beispielen - kostenfrei!
Schön auch die kleine Homepage-Spielerei, die Cover in Bewegung zu halten. Auge und Ohr ergänzen sich.

Beispiel:
Philipp Weigl - Monsters (2006)
Gemäßigte Rhythmen, gut ausbalancierter Schwebeklängen-Sound, Minimal-Melodien. Dazu halb geflüsterter Text, der die etwas darklastige, sphärenhafte Musik geheimnisvoll unterstützt.

Eloi Brunelle - Montréal Night Grooves EP
"Feingeschliffene, sehr harmonisch breitwandige Technodubs" mit teilweise handgespielter Percussion, sorgen für ein angenehmes Feeling beim Hören dieser vier Tracks. Ein beinahe gemütlich klingender Bass und straighte up-beat rhythms des Kanadiers geben der Musik den nötigen drive.

various artists thn100 - Zum Hundertsten Release ein Sampler mit 13 Tracks, eine Art Quintessenz der Thinner-Sound-Philosophie. (Schon im November 2007 erschienen und seitdem herrscht Funkstille bei Thinners. Das wird doch wohl nicht das letzte Aufbäumen gewesen sein? Schade wärs allemal.) Insgesamt gesehen ein Album, das Wohlgefallen erzeugt. Nur bei einigen wenigen Stücken hätte ich den Künstlern etwas mehr Kreativität gewünscht (Track 3, unit21 - december02 ist so ein Beispiel von komprimierter Langeweile, einfach laufen lassen die Apparaturen und mal eben Pinkeln gehen).



tonAtom

Elektro, Ambient und Experimental, das sind die Schwerpunkte des im März 2002 von Matthias Reinwarth geschaffenen Netlabels. Auch tonAtom versteht sich als nicht-profitorientierte Alternative zu den kommerziellen Labels und bietet seine Releases - inzwischen auf über 80 angewachsen - ebenfalls zum kostenlosen Download (mp3 & ogg) an. Auch Videokünstlern wird eine Plattform geboten, ebenso sind Kontakte zu professionellen profitorientierten Labels nicht ausgeschlossen. Die Homepage ist in benutzerfreundlicher Zweisprachigkeit (dt/engl) und übersichtlich aufgebaut.
Für mich gehört tonAtom zu den Spitzenlabels der Szene. Die Auswahl ihrer Artists und die angebotene Musik sind Meilensteine der experimentellen ambient-scene. Aus ihrem übervollen Angebot an originellen, kreativen, innovativen und soundmäßig hervorragenden Alben einige herauszugreifen, heißt nicht, die vielen anderen als weniger gelungen einzustufen.

Beispiele:
drifting in silence - ladderdown - [tA_E_disld]
Wer aus Nashville, Tennessee, stammt, muß nicht automatisch im drögen Country-Elend enden, sondern kann durchaus in der Lage sein, einen überraschend ansprechenden Ambient-Sound zu produzieren. Derrick Stembridge heißt der Musiker dieses absolut empfehlbaren Albums. 12 ineinander gehende Tracks, als eine Art Konzeptalbum gestaltet, lassen im Hörer mit anschwellenden, hallenden Klängen und überraschend einsetzenden tanzbaren Rhythmen den Eindruck entstehen, sich als Teilnehmer einer entspannten und dann wieder lebendigen Reisegruppe zu empfinden. Stembridge bringt die elektronischen Verzierungen gekonnt und ohne zu übertreiben in seinen Stücken unter. Zwischen Dance floor und Liegestuhl, so tonAtom, bewege sich drifting in silence, wohl war, wäre noch hinzuzufügen, daß es sich nicht um einen knarrenden sondern um einen in Sphären schwebenden Liegestuhl handelt.

Various Artists - Fuenfzig/sechzehn/vier [tonAtom 050]
Wer gern lange Stücke mag, kommt bei diesem 55minütigen Mix voll auf seine Kosten. Zum vierjährigen Bestehen des Labels konnte man 16 tonAtom-Künstler für diese Produktion gewinnen. An diesem Release fasziniert mich die Experimentierfreudigkeit bei gleichzeitigem Beibehalten ambientlastiger Strukturen, man verlässt quasi kaum die eigene Hütte und schafft es dennoch dir die ganze Welt vorzuführen - na ja, vielleicht nicht die ganze. Man hat ein eigenes Stück vor sich und bekommt gleichzeitig einen guten Überblick des tonAtoms Label-Sound und der Musiker.

Ne:o - musikkritik [tA_D_neomk]
Ja, was ist das denn? Klassischer Rock-Jazz, Prog-Rock, Elektro-Fusion, irgendwas Neues dazwischen? Vier Musiker (Drums, Percussion, Gitarren, Tasteninstrumente) aus dem schönen Dräsden zeigen wie aufregend und klug so was heute klingen kann. Ne:o schwelgen in ausgefeilten Melodien und bodenständigen Rhythmen - und endlich traut sich auch mal jemand zu, verspielt ausgefallene Arrangements zu komponieren! Natürlich braucht es dazu auch die Musiker, die das spielen können. Bei Ne:o habe ich den Eindruck, als hätten die nie was anderes gemacht. Hier kommt die Musik mit einer Leichtigkeit rüber, die Staunen und Verblüffung hervorruft. Hut ab vor tonAtom, das sich für den Release dieser für das Label-Repertoire eher ungewöhnlichen Produktion entschieden hat.

Aurel - flow of exodus [tA_A_aurfoe]
Pete Leuenberger, ein Schweizer Schlagzeuger mit Jazz-Erfahrungen, hat sich mittlerweile einen Namen in der experimentellen Elektro-Szene gemacht und ist zudem Inhaber eines komfortablen Tonstudios. Der Release vom Februar 2005 enthält neun Stücke, gute 70min einer schwer einzuordnenden Musik. Hier fließen allerhand Stile elektronischer Art ineinander über, es geht weit über gewöhnlichen ambient hinaus und mit Entdeckungsfreude führt uns Aurel seinen soundmäßigen Exodus in Richtung einer Art von Alien-Meditation. Und das ganze, wie es sich für Schweizer gehört, in einem gemäßigten Tempo, wobei allerdings so manche Verirrung in Noise-Gefilde den Hörer wohltuend aufschreckt. Mein Favorit: Track 8 - religion of its own (beginnt mit einem Textzitat, worauf eine sich steigernde bedrohliche Atmosphäre aufsteigt, in die dann ein verzerrter Rhythmus eingeblendet wird, der mit zunehmender Intensität den Rest des 13min-Stückes beherrscht).

Schwofen [tA_A_schwfn]
Hypnotisch ist wohl die treffendste Bezeichnung für das, was die Aachener Gregor Jabs & Marius Schillak mit diesem Release vom Juni 2007 anbieten. Pumpe, Moos, Runkel, Rübe, Pfad heißen die fünf Titel und von daher könnte man meinen, daß Rübezahl persönlich die Tasten bedient. Unspektakulär beginnend, dann einen Sound entwickelnd, der sich zum Sog steigert, so stellt sich mir ihre Musik dar. Damit sich der Sog entfalten kann und einem seine (durchaus zwiespältige) Wirkung bewusst wird, brauchen die Stücke ihre Länge. Eine gute Stunde dauert die Verführung pur. Minimal-Industry, melodielos, experimentell/maschinell, rhythmusorientiert, mit einer halligen Prise dark und sparsamen Variationen, das sind in etwa die Merkmale dieser alternativen un-erhöhrten ambient-Vorstellung.

Nebulous (2010)  Auf diesem rund 45min Album des Schlagzeugers Michael Hoffmann geht es experimentell und artifiziell zu. Übereinander gelagerte Soundspuren, sparsam in der Lautstärke und im Grenzbereich musikalischer Äußerung angesiedelt, erfinden eine von Echos durchdrungene Landschaft, die jeder beim Hören für sich selbst entdecken wird. Die Kombination Schlagzeug und elektronische Effekte ergibt hier eine, wie ich finde, gelungene Symbiose, was dem Einfallsreichtum Hoffmanns zu verdanken ist. Er scheint genau über dieses Quentchen Gespür zu verfügen, um derartige Musikkonstrukte in der ‚richtigen' Dosis anzubieten. Er protzt nicht, sondern geht behutsam und auf Feinheiten bedacht vor.



Vaatican Records
Bunt geht es zu auf Vaatican Records. Fantasievolle Cover in grellen Farben, detailfreudig gezeichnet, mit viel Sinn für Spaß und Frohsinn erinnern an die spätsechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Zappa läßt grüßen. Aber, da es sich um ein französisches Netlabel handelt, auch Gruppen wie Gong oder Magma. Bunt ist auch die Mischung der 80 Alben (November 2008). Verschrobene Avantgarde-Musik, Resthippieklänge mit fernöstlichem Einschlag, elektronisches Geschwurbel mit viel Stimmenbeilage, Freejazz-Noise Chaoten und humorvolles Zitieren aus Musikgeschichte und Gegenwart. Hier kann man eine lange Weile verweilen und hat doch nicht alles entdeckt. Man ist offensichtlich weniger an gängigen Techno-IDM-Electronic-Spielereien interessiert, als vielmehr an akustischen-samplelastigen-gegen-den-Strom-Experimenten. Ein schönes Beispiel dafür ist
RAPPEUR QUALITé PRIX mit dem Release vom Juni 2008 "Mellow Cold", vaat066.
14 Tracks, angesiedelt zwischen music concret & Schnipselverwertung, irgendwie chaotisch mit festem Grund. Hörkino ist ein allzu oft benutztes Wort, hier trifft es absolut zu. Allerdings ist es kein Kino zum abturnen, chill out ist nicht angesagt, dazu wechseln die Szenen zu oft hin und her, flippig sagte man früher dazu. Das ganze ist einfallsreich gemixt, was die/der Musiker selber dazu beigetragen haben/hat, konnte ich nicht feststellen.


In die gleiche Richtung, jedoch mit festerem rhythmischem Gerüst bedient RAPPEUR QUALITé PRIX mit dem November 2008 Release "Commerce équitable" vaat080 seine Fans. Weniger nervöses Herumgeflickere, stabiler in Struktur und gefälliger im Mix, stellen die zehn Tracks so etwas wie eine Mini-Opera dar, zu der sich jeder sein eigenes Libretto ausdenken kann. Zuhören mit Kopfhörer empfohlen.



Von ähnlicher Güte ist auch IAN BRENO - "Here com the warm pets" vaat007. 14 abwechslungsreich gemixte Stücke, auch hier scheint sich das selbst musizierte Potential in Grenzen zu halten. Eine schelmische Bemerkung läßt tief blicken: "Everything confused and stolen by 4ndr345 M4RCH4L".



Der Release VAATICAN RECORDS - "Sampler" vaat010 vom Oktober 2006 gibt einen brauchbaren Querschnitt über die waghalsigen Schnittcollagen und Sampletechniken, die bei VAATICAN zum Einsatz kommen (ebenso vaat031). Auch diese 15 Stücke sind von Unruhe geprägt, haben etwas jazziges an sich, ohne zur Kategorie Jazz zu gehören.



TRIPLANETARY sind eine der wenigen Releases, bei dem eine ganze Reihe von Musikern augeführt werden. "I Dreamed you were the sky and I was inside you" - vaat023 heißt dieses Triporientierte Konzeptalbum, das natürlich auch von geschickt einmontierten Samplern lebt und dem Ohr mit überraschenden Momenten schmeichelt. 15 Minitrips - wohin du willst ...







Vorbic

"We are Vorbic. We are a Netlabel. We like electronic music." Ein bißchen mehr hätte ich schon gern erfahren, über den oder die Macher, die jedenfalls ihr Domizil im UK haben, denn dahin kann man die Demos schicken. Da das Debut-Album vom Januar 2007 ist, könnte man daraus folgern, dass es sich hier um ein recht junges Netlabel handelt. Sie mögens sparsam, also halte ich mich ebenfalls daran und komme gleich zur Musik. Und da tut sich allerhand. Der Begriff electronic music ist sehr weit gefasst, denn die Artists bedienen sich vielfältiger Musikrichtungen: acidjazz, triphop, breakbeats, funkylines, mal schimmert chillout und ambient-pop durch und klangvolle electronica geben den nötigen Saft zu drum&bass takes.

Vibrawinky
by Universal Frontline
vrb001
Das erste Album kommt jazzig daher, Rhythmus heißt das Zauberwort. Dazwischen ein paar elektronische Tupfer. Dan Flange, der verbirgt sich hinter Universal Frontline, bleibt ausnahmslos in der Spur und groovt bis zum Schluß durch. Nett.


The Popular Cluster
by Interspacial
vrb002
Auf diesem Album von Alan Tirac, es enthält vier Tracks, gibt es eigentlich nur ein erwähnenswertes Stück. Das erste nämlich, mit dem Titel Mekong, hat einen fulminanten drive, der einem die Schuhe auszieht. Dazu hat Tirac ein Kinderstimmchen gemixt, das uns in einer Sample-Schleife etwas mitteilt und dabei eine kleine Melodie formt. Ein bisschen Soundgeklingel und elektronischer Schnickschnack füllen das ganze. Mir gefällts. Listen

The Island Of The Unrealized Hopes
The Kirbi
vrb004
Auf die Insel der unerfüllten Hoffnungen nimmt uns Denis A. Fomenko aus Russland mit und lässt es eher gemütlich und mit good-listening Tracks angehen. Elektronik-Pop, der einfach gut rüberkommt und im besten Sinne unterhalten will. Sauber eingespielt und klarer Sound.

Bilbao
by Killa Leaf
vrb008
Aus England kommt diese Produktion, Matt Weston heißt der Macher. Auch hier geht's, wie bei den anderen vorgestellten Alben, gleich zur Sache. Rhythmus ist alles, aber nicht so hektisch, das lädt zum moderaten Mitwackeln ein. Hier fallen die Voice-Samples auf, die gut in die Stücke eingefügt sind und auch mal schmunzeln lassen.

Elerant
by Mananaa
vrb009
Einfallsreich und verspielt, eigensinnig und abseits der oft schon eingefahrenen Wege musikalischer Selbstverwirklichung kommen diese fünf Stücke eines Künstlers aus Leicester daher. Die Reise, auf die er uns da mitnimmt, kennt keine beschwerlichen Strecken und unüberwindlichen Barrieren, gelegentliches Abdriften in Alienwelten eingeschlossen. Gerne lässt man sich auf die runde halbe Stunde Musik ein und hat hinterher nichts weiter, als ein gutes Gefühl. Toller Sound.




Zymogen

Das italienische Netlabel Zymogen (ein biol/med Begriff) gibt es seit 2005, es hat seinen Fokus auf die Entwicklung der elektronischen Musik gerichtet. Bisher sind 21 Alben veröffentlicht, verglichen mit anderen nicht gerade viel, aber hier gilt Qualität vor Quantität.
Die Musiker kommen aus Spanien, Kanada, Russland, Japan, der Schweiz, USA, Griechenland und Kolumbien, haben auch eigene Webseiten und sind - wie häufig in der Netlabelszene - mit ihren Werken bei verschiedenen Labels vertreten.
Nun ist der Begriff elektronische Musik erstmal nicht sehr aussagekräftig. Bei den Zymogen-Alben kann man davon ausgehen, dass hier Elektroniker am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen. Bei den Klängen von Takeshi Nakamura, Lezrod, Ibakusha oder Stephen Walter, um nur einige zu nennen, erhört man, wie Musik der Zukunft klingen könnte - manches erinnert mich an Pierre Henry oder Terry Riley, die vor 30 Jahren ähnlich herum experimentierten.

Manchmal klingt es wie Musik, die auf weit entfernten, fast vergessenen Raumstationen, von traurigen, einsamen Computern selbst erzeugt wird. Hin und wieder spärliche Klavierklänge, sich wiederholend, ein Erinnerungsfetzen, dann wieder undefinierbare Geräusche, vielleicht das Atmen eines Meteoriten (Lezrod - Retorno a la Nada); an- und abschwellende, manchmal rückwärts eingespielte, Klänge, ein gedämpfter, warmer Sound, dazu ein nervöser Rhythmus aus tickenden, klappernden Beats, manchmal eine kleine Melodie, wie von einem Glockenspiel, dann wieder Klavier, Gitarre, Cello - wo sind wir gerade? (Ibakusha - Novctzember); eine männliche Stimme wiederholt unentwegt das Wort wonderful, ein Piepsen antwortet, allmählich kommen andere verzerrte Stimmen hinzu, werden ausgeblendet, Sitarklänge flimmern herbei, Geräusche dazu - dann ist der Geisterspuk vorbei (Takeshi Nakamura - Easy Listening) auf diesem Album setzt der Japaner Stimmen gekonnt in seine rhythmusbasierte Synthiesound-Welt ein, Stimmen, die zu uns sprechen, besser, die versuchen, uns eine Mitteilung zukommen zu lassen, aber irgendwie scheint die Kommunikation zu scheitern, immer wieder bricht der Sound schnarrender, piepsender Frequenzen in den Vordergrund, was sagt da jemand? Wrong time?... und dann gibt es auch nur so etwas wie eine Geräuschkulisse aus brummenden Elektroquellen, Rückkopplungen, Echoeffekten, Röhrendröhnen, fragmentarisches Erklettern einer Tonleiter, Delaygefummel, irgendwas beginnt, tritt auf der Stelle, hört auf (Klaviertöne erscheinen, plötzliche Unterbrechung), beginnt erneut, sind wir schon im nächsten Stück? Irgendwas rauscht, war das die Klospülung vom Nachbarn oder gehört das auch zum Stück? Ist die Realität in die Musik eingedrungen oder will hier Musik gar keine Musik mehr sein? Langsam öffnen sich die Hörsinne für Neues, Verwirrung entsteht - (Stephen Walter - Monocline).

Ein Hin zum Akustischen bringt als bisherige Ausnahme bei Zymogen Bacanal Intruder mit der EP Modem. Mit Instrumenten aus dem Kinderzimmer und einigen Verfremdungen gelingen den Spaniern kurzweilige musikalische Impressionen, die überraschen und Einfallsreichtum beweisen.

Interessant auch die Kleinstlebewesen und Insekten zierenden Cover, die für mich zum Ausdruck bringen, dass man auch dem Winzigen, dem kaum Sichtbaren - also auch den scheinbar abseitigen Klängen und Geräuschen - mehr Aufmerksamkeit widmen sollte. (Cover zu zym009 D'incise - Insectes, Attente et Pixels)